Eisenbahn Elm - Jossa - Gemünden 

 

Wenn wir dem Bau der Bahnstrecke von Elm nach Jossa und weiter ins fränkische Gemünden hier etwas Platz einräumen, dann auch deshalb, weil der Bahnbau 1869 -1872  in vielen Teilen unserer Region und auch speziell in unserem Dorf zu einer stark verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen hat. Die Bahnstrecke wird heute noch genutzt und wird im besonderen vom Güterfernverkehr als Bestandteil der Haupt-Nord-Süd-Achse stark frequentiert.  Die Bahnbauten stellen weiterhin in vielen Bereichen so etwas wie Industrie-Kulturdenkmäler dar. Dies gilt im besonderen für Brücken, Tunnel und Bahnhofsgebäude.

 

Das hessische Landesamt für Denkmalpflege hat unter dem Titel "Kulturdenkmäler in Hessen EISENBAHN IN HESSEN" eine Bestandsaufnahme der hessischen Eisenbahnbauten und -strecken erstellt. Es handelt sich dabei um 115 Strecken mit insgesamt 3839 Streckenkilometern allein im Bundesland Hessen.  Auch die 2600 wichtigsten Bauwerke (von ursprünglich rund 4000) an diesen hessischen Strecken werden in dem Werk katalogisiert. Wenn man sich vorstellt, in welchem Zeitraum diese Strecken und Bauten mit der technischen Ausrüstung vor 120 oder 150 Jahren geschaffen wurden, nötigt einem dies schon sehr großen Respekt vor dieser Leistung ab.  Ein Blick auf diese Leistungen an der alten Bahnstrecke in unserem unmittelbaren Umfeld sollte deswegen in unserer Dorfchronik nicht fehlen.

 

Wir sollten aber auch auf die ICE-Schnellbahnstrecke schauen mit  den Tunneln Altengronauer Forst, Schwarzenfels-Tunnel und dem 10,779 km langen Landrückentunnel,  den längsten Eisenbahntunnel Deutschlands. Zu nennen sind auch die Brücken: Hangbrücke Dittenbrunn, Talbrücke am Pfaffensteg und die Talbrücke bei Mottgers und Weichersbach.  1981 wurde der Streckenbau mit einigen Tunnelanschlägen begonnen. 1986 war der längste  Eisenbahntunnel Deutschlands, der Landrückentunnel, im Rohbau fertiggestellt. Acht Tunnelarbeiter starben durch Arbeitsunfälle. Die ersten Versuchsfahrten begannen 1986 und wurden 1987 verstärkt. Vor Aufnahme des Regelbetriebes stellte der InterCityExperimental im Rahmen der ICE-Weltrekordfahrt am 1. Mai 1988 mit 406,9 km/h einen neuen Weltrekord für Schienenfahrzeuge auf. >> Artikel  bei Wikipedia zu ICE-Strecke Hannover - Würzburg <<

 

Die 327 km lange Neubaustrecke von Hannover nach Würzburg kostete lt. Wikipedia 11,874 Milliarden Deutsche Mark, also rund 18 Millionen Euro je km (Baukostenindex 1988). Die großzügigen Trassierungsparameter machten eine besonders große Zahl von Kunstbauten erforderlich. So verlaufen 121 Kilometer der 327 Kilometer langen Strecke in 61 Tunneln sowie 30 Kilometer auf 294 Brücken (davon 43 Talbrücken). 

 

Die folgenden Auszüge aus dem umfangreichen Werk des hessischen Amtes für Denkmalpflege für  die alte Bahnstrecke hat uns dankenswerterweise das Regionalzentrum für Geschichte des Main-Kinzig-Kreises zur Verfügung gestellt. 

 

 

Auszug aus einem chronologischem Katalog der Eisenbahnstrecken und -bauten in Hessen 


Hier ein Link zu einer interessanten Dokumentation der Tunnelportale an der Strecke Flieden - Gemünden:
                                                                                      >> Tunnelportale << 

 

Bau der Eisenbahnbrücke 1869-1871

Das erste Foto wurde 1869 aufgenommen. Man sieht die Fundamente der drei Brückenpfeiler und der beiden Widerlager. Hinter der Baustelle die Sinn, ganz im Hintergrund rechts der Grauberg. 

 

Die komplett eingerüstete Brücke. Sehr gut kann man die vier Bogen erkennen. Aufnahme von 1871. 

 

Die Bahndammaufschüttung. In der Mitte die nahezu fertige Brücke. Im Hintergrund rechts der entstandene Steinbruch. Aufnahme von 1871.

 

Gleisbauarbeiten auf der Eisenbahnbrücke, im Hintergrund sieht man den Steinbruch, Aufnahme von 1909. 

 

Zebersch Kätha und Zebersch Gretel auf der alten Bahnhofstraße (bei Haus Nr. 69) vor der alten Sandsteinbrücke mit vier Bögen

 

Eisenbahnviadukt, ca. 1937

 

 

Blick auf die alte Eisenbahnbrücke mit vier Bögen. Die Schule steht schon, demnach könnte das Foto zwischen 1943 und 1945 entstanden sein. Wenn man auf das Bild klickt, sieht man in der Vergrößerung in der Bildmitte unten die Kreuze und Grabsteine des alten Friedhofes (heute Spielplatz Mühlberg/Waldstraße) 

 

Das Eisenbahnviadukt nach der Sprengung am 4. April 1945

 

Die 1871 in Betrieb genommene Eisenbahnbrücke mit vier Bogen war am 3. April 1945 durch ein Kommando der deutschen Wehrmacht auf Befehl des Oberkommandos gesprengt worden, um die anrückenden Truppen der Amerikaner aufzuhalten und den zukünftigen Eisenbahnverkehr möglichst lange zu stören. Amerikanische Pioniere errichteten eine Behelfsbrücke.  Schon Ende Mai 1945 war diese hin und wieder befahrbar. Ab 10. Aug.1945 wieder regelmäßiger Zugverkehr.

 

Die noch eingeschalte Brücke 1951 - ein Zug fährt sehr langsam darüber 

Eisenbahnviadukt im Febr. 2018, im Vordergrund das alte Sportlerheim der SG Jossa aus der Zeit als der Sportplatz noch bei der Eisenbahnbrücke an der Jossamündung lag (1949 - 1987). Im Sommer 1986 wurde der neue Sportplatz in den oberen Joßwiesen, Straße Spessartgrund, eingeweiht.   

Großer Bericht in der Gelnhäuser Zeitung vom 3. März 2018 

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