Unsere Dorfgeschichte + unser Fotoarchiv

Fotoarchiv 1870 bis 2017

 

 

 

 

 

Auf diesem Foto sieht man im Hintergrund rechts den Grauberg. in der Bildmitte sieht man die Fläche auf denen die Pfeilerfundamente gerade hergestellt werden. Foto von 1869.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier sieht man sehr genau die Konstruktion des Gerüstes. Dahinter sind die Pfeiler und die Brückebogen deutlich zu erkennen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist die erste Musikkapelle in Jossa. Das Foto wurde 1888 aufgenommen und es war bei alten Akten und Bildern im Gasthof Stern. Dort werden die Musikanten wohl geprobt und auch zumindest zur Kirmes im Saal zum Tanz gespielt haben. 


 

 

Dorfansicht mit Kirche und Schule (ganz rechts, mit Glockentürmchen), 1910


 

 

Dorfchronik wurde als Buch herausgegeben  - Internetchronik wird weiter bearbeitet

Anlässlich unserer Fotoausstellung am Kirmessamstag 2016 haben wir auch unsere Dorfchronik in zweifacher Ausfertigung in ausgedruckter Form in Einzelblättern  in mehreren Leitz-Ordnern zum Blättern und Stöbern  ausgelegt. Danach ist der Wunsch an uns herangetragen worden, unsere im Internet hinterlegte Dorfgeschichte auch in Buchform auszudrucken. Dank einer sehr großzügigen Spende unseres Mitbürgers Herwig Patzer ist dies möglich geworden. Wir konnten das Buch deshalb zu einem sehr günstigen Preis von 15,-- Euro je Exemplar abgeben. Erstmals wird dies beim Weihnachtsmarkt 2016 am 11. Dezember 2016 (3. Advent) möglich sein, danach in Zellers Laden, Spessartstr. 34. Hinweis: Das Interesse an dem Buch war sehr erfreulich. Wir konnten rund 220 Exemplare verkaufen. 

 

Die Internetchronik wird weiter bearbeitet. Sie wird ergänzt und es werden Fotos hinzugefügt, die wir bekommen können. Wir sind natürlich immer noch an alten Fotos oder auch alten Geschichten oder Berichten interessiert, die uns bisher noch nicht zur Verfügung standen. Ansprechpartner ist weiterhin Günter Walther.  

                   RÜCKBLICK
Kinzigtal-Nachrichten 22. Febr. 2014 -von Andreas Ungermann-
 
Jossas Ortsvorsteher Günter Walther arbeitet an Dorfchronik
 
Altengronau, Marjoß und Neuengronau haben schon eine Chronik. "Da wurde es Zeit, dass für Jossa auch eine erstellt wird", dachte sich Günter Walther. Nun beschäftigt sich der Ortsvorsteher mit der Geschichte des Dorfes und trägt Bilder, Daten und Fakten zusammen.

 

So manche Themen kehren in der Historie eines Ortes immer wieder: In Jossa ist es einerseits die Flößerei. Aus dem Spessart wurde einst das hier eingeschlagene Holz bis nach Gemünden am Main über die Flüsschen – so auch über die Jossa – befördert. Zum anderen ist da noch die Schule, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Deren Vorläufer aber geben Aufschluss über die Anfänge des Spessartdorfes. Denn für 1740 ist hier bereits die Tätigkeit eines Lehrers belegt. 1797 gab es dann eine erste Schule.
 
Aus diesem Gebäude, dem Haus Nummer 37, stammt Ortsvorsteher Günter Walther, der sich zusammen mit Klaus Koch, Günter Zeller, Hans Röder und Wolfgang Strott mit der Dorfgeschichte befasst. "Als ich das Material für eine Chronik anlässlich des Kirchenjubiläums im Jahr 2010 zusammengetragen habe, kam auch die Idee, eine Chronik zu unserem Dorf zu erstellen", erinnert sich Walhter. Dass er dann bald Rentner wurde, habe ganz gut gepasst. So blieb ihm mehr Zeit, sich dem Werk zu widmen – teilweise von 7.30 Uhr am Morgen bis um 22 Uhr am Abend.
 
Seitdem sammelt der Ortsvorsteher Bilder, Urkunden und andere Schriftstücke. Das erste mit Schreibmaschine geschriebene Dokument, das ihm bislang bekannt ist, stammt aus dem Jahr 1898. Das ließ sich noch gut lesen. Bei so manch anderen schriftlichen Quellen, die Walther etwa bei mehrmaligen Besuchen im Marburger Staatsarchiv aufgetrieben hat, zieht er einen Experten zu Rate, der die Texte übersetzt. "Die ältesten Handschriften können wir ja nicht lesen. Einige Wortfetzen kriegen wir zusammen, aber eben nicht den ganzen Text", erklärt Walther.+

 

Die Transskripte, also die Übersetzungen der alten Schriftstücke, hat er in eine Zeittafel, die er auf der Internetseite seines Heimatortes veröffentlicht hat, integriert. Überhaupt arbeitet der Hobby-Chronist viel mit dem Internet. Auf seiner Facebook-Seite stellt er Bilder ins Netz, um etwa die Namen von Personen auf Schul- oder Kirmesfotos herauszufinden. "Ich schreibe dann die jüngeren Jossaer an, dass sie mal ihre Großeltern fragen sollen", erläutert der 67-Jährige. Auf der Internetseite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (Lagis) recherchiert er im archivierten Kartenmaterial. In seinem Kanal auf der Internetplattform Youtube lassen sich zudem Filmdokumente aus Jossa finden.
 
Die Online-Chronik auf der Jossaer Homepage könnte einmal die Grundlage für eine gedruckte Ausgabe werden. "Wir müssen nur den passenden Anlass dazu finden", betont Walther. Möglich wäre etwa das Jahr 2015. "Wenn wir auf keine ältere urkundliche Erwähnung als auf die des ersten Lehrers in der Gemeinde Jossa stoßen, steht das 275-jährige Bestehen an", sagt Walther. Der ist bei seinen Recherchen auf eine interessante Randerscheinung gestoßen, vor allem im Bezug auf die Häufigkeit von Nachnamen in dem Sinntaler Ortsteil : "Damals gab es noch keine Zellers hier, die müssen also erst später dazugekommen sein. Aber immerhin hieß der erste Bürgermeister Zeller", lacht der Ortsvorsteher, dem noch mancher Besuch in Archiven bevorsteht.
 
Sein Interesse richtet sich allerdings nicht nur auf die Zeit nach der ersten urkundlichen Erwähnung. Wenngleich vorher noch nicht von Jossa die Rede ist, so muss es doch schon Ortschaften gegeben haben. Matthias Zeller – "unser Dorfarchäologe", wie ihn Walter nennt – ist bei der Suche im Umland jedenfalls schon auf Tonscherben, Münzen, Metallschlüssel und -hufeisen gestoßen, die auf frühere Jahrhunderte datiert werden müssen. Gemeinsam versuchen Walther und Zeller so etwa die Vorläuferortschaften Gerrode und Rödelsau zu lokalisieren oder zu bestimmen, wo die Mühlen standen, aus denen der Ort Jossa am gleichnamigen Flüsschen entstanden sein muss. Ein Kapitel in der Dorfchronik wird sich sicherlich auch diesem Thema widmen.

 

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Berichte aus der Geschichte unseres Dorfes Jossa

VORWORT  - von Günter Walther  
(G. Walther war von 1997 bis 2016 Ortsvorsteher und hat diese Chronik zusammengestellt)
 
Lieber Leser, 

Jossa ist das jüngste Dorf in der Gemeinde Sinntal, vielleicht sogar im gesamten Main-Kinzig-Kreis. In einer Druckschrift der Gemeinde heißt es, dass der Ort 1734 schon mit dem Namen des gleichnamigen Flüsschens bezeichnet wurde. Direkte Aufzeichnungen, wann Jossa als eigenständige Gemeinde geführt wurde und auch einen eigenen Bürgermeister hatte, wurden bis dato nicht gefunden. In der Kirchenchronik Neuengronau wird vermerkt, dass die Gemeinde Jossa 1740 ihren ersten Lehrer erhält. Diese Formulierung besagt eindeutig, dass Jossa zu diesem Zeitpunkt wie eine selbständige Gemeinde behandelt und geführt wird.   

Der an Altengronau angegliederte Weiler "in de Joß" oder "Joßmühl" wurde demnach irgendwann zwischen 1734 und 1740 als eigenständiges Dorf und Gemeinde Jossa eingestuft. Auch der verstorbene Heimatforscher Karl Ullrich aus Schwarzenfels berichtet, dass Jossa 1739 einen eigenen Schultheißen hatte. Sein Name war Johannes Ruppert. Die getrennte Erfassung in der weiter unten abgebildeten Karte aus dem Jahr 1735 und die Grundstücksauflistung sowie die Entsendung eines eigenen Lehrers für die "Gemeinde Jossa" lassen den Schluß zu, dass Jossa ab einem dieser beiden Jahre als eigenständige Gemeinde geführt wird. Wenn Jossa kein selbständiger Ort gewesen wäre, hätte es keinen eigenen Lehrer bekommen. Das Dorf hatte zu diesem Zeitpunkt  vermutlich schon mehr Eigenständigkeit wie es der Ort Jossa seit 1974 als Ortsteil der Gemeinde Sinntal hat.        
 
Im Staatsarchiv Marburg sind weiterhin Dokumente hinterlegt, wonach die Dorfschulzen (Bürgermeister) von Jossa, Mittelsinn und Altengronau im Jahre 1749 ein Gesuch um Fruchtbesoldung gestellt hatten. Kopien dieser Dokumente liegen uns vor. Hier wird für den Schultheis von Jossa keine Abstufung vorgenommen.   

Im Hessischen Staatsarchiv ist als Hinweis zur Behördengeschichte im Online-Portal HADIS folgender Text hinterlegt: 

Die von Hutten bildeten aus Altengronau und ihren Anteilen an Obersinn, Mittelsinn und Aura ein besonderes Amt als Glied des Reichsritterschaftsorts Rhön und Werra. Sie verkauften das Amt unter Vorbehalt der Zugehörigkeit zur reichsritterschaftlichen Matrikel 1648 an Hessen-Kassel. Seit etwa der Mitte des 18. Jh. kam dazu das neu gegründete Dorf Jossa. Das Amt wurde, nachdem von 1817-1821 mit ihm das Amt Brandenfels und Gericht Ramholz verbunden war, 1821 dem Justizamt Schwarzenfels zugeteilt

 

Wenn man für ein junges Dorf eine Ortschronik schreiben will, findet man natürlich nicht so viele Schriftstücke in den Archiven, wie von älteren Ortschaften, wie z. B.  von den beiden Sinntaler Ortsteilen Züntersbach und Altengronau, die bereits schon eine 1100-Jahr-Feier bzw. ein 1225-jähriges Jubiläum erleben konnten. Obwohl uns im Vergleich hierzu viele hundert Jahre fehlen, so haben wir doch einiges in den Archiven gefunden, das die Geschichte unseres Dorfes belegt und auch unverwechselbar macht. Wir - das ist der Ortsvorsteher Günter Walther und einige Bürger, die sich bereit erklärt haben, am Entstehen einer Dorfchronik mitzuwirken.

So waren Günter Walther, Günter Zeller (Spessartstr.) und Klaus Koch beispielsweise mehrfach im Staatsarchiv Marburg und haben dort Schriftstücke eingesehen, die dann kopiert wurden und nun aus der altdeutschen Schrift in unsere heutige Schrift übertragen werden müssen. Uns liegen bis dato ca. 250 Seiten Handschriften vor. Hans Röder hat einiges an Schriftstücken aus Verwaltungsakten gesammelt. Und Wolfgang Strott hatte sich vor einigen Jahren die Zeit genommen und etliche Seiten aus der sehr ergiebigen Neuengronauer Kirchenchronik aufgeschrieben und auf einen USB-Stick kopiert.

Sehr viel Material haben wir natürlich bei der Erstellung unseres Buches "100 Jahre Kirche Jossa" entdeckt. Freundlicherweise hat uns Pfarrer Schneider dies auch für unsere Arbeit an der Dorfchronik überlassen. Das sind natürlich auch die Niederschriften der Pfarrer,  soweit sie im Buch enthalten sind. Weiterhin gibt es sehr viele Fotos, von denen ein großer Teil aus einer Sammlung von Pfarrer Schilling stammte, der diese teils auch als Dias schon in Versammlungen gezeigt hat. Das Sammeln von Fotos wurde von Günter Walther fortgesetzt und mittlerweile haben wir einen größeren Bilderbestand zumindest in digitaler Form vorliegen.
 
Auf das älteste Foto wurde ich durch einen Altengronauer Bürger aufmerksam gemacht, der dies beim "Surfen" im Internet entdeckt hatte. Dieses Foto ist im Besitz eines Berliner Museums und zeigt die Entstehung der Jossaer Eisenbahnbrücke in authentischer Weise. Ich habe sofort Kontakt mit dem Museum aufgenommen und konnte drei Fotos erwerben. Das älteste ist aus dem Jahr 1869. Da gab es noch keinen Eisenbahndamm, aber es waren gerade die Fundamente für die damals drei mit Sandstein gemauerten Pfeiler hergestellt. Es sind drei beeindruckende Fotos.
 
Die meisten anderen Fotos stammen ursprünglich aus dem Besitz vieler Mitbürger, die diese zur Verfügung gestellt haben. Wir werden eine Liste erstellen mit den Namen all derer, die uns Fotos, Schriftstücke und andere Archivalien zur Verfügung gestellt haben. Wir möchten Ihnen allen ganz herzlich danken. Ohne diese Stücke unserer Sammlung wäre unsere Ortschronik halb so viel wert und nur halb so lebendig. Wir möchten auch weiter dazu ermuntern, uns Fotos zur Verfügung zu stellen.

Wir suchen immer noch nach einem Foto, auf dem man die Glocken sieht, die 1950 vom Bahnhof abgeholt wurden. Ebenso versuchen wir zu ermitteln, wer den ersten Traktor und wer das erste Auto und das erste Motorrad im Ort hatte. Wenn wir hiervon noch Fotos hätten, wäre das schön.  

 

Ein Dank gilt auch Matthias Zeller, der als Hobby-Archäologe tätig ist und als solcher fast schon den Beweis geliefert hat, daß eines der Vorgängerdorfer von Jossa, das Dörflein Gerrode,  tatsächlich in unserer Gemarkung lag und gebrandschatzt wurde. Es wurde 1483  während einer Fehde zwischen den Herren von Thüngen und von Hutten zerstört. Der Obersinner Heimatforscher Leo Breidenbach sagt aus, er hätte Hinweise darauf, dass dieses Dorf nahe Obersinn gelegen habe. Matthias Zeller wird alles daran setzen, dies mit seinen archäologischen Funden zu widerlegen.
 
Das Dorf Rotelsau - ebenfalls ein Vorgänger des Dorfes Jossa - wurde nach Einschätzung des Neuengronauer Kirchenchronik-Schreibers Metropolitan Kientzler im Dreißigjährigen Krieg komplett zerstört. An anderer Stelle heißt es, dass es schon 1510 wüst gewesen sei. Dieses Dörflein - vermutlich am Fuße und am Hang der "Hohen Süß" gelegen - verfügte sogar über eine Zollstation, die dem Abt Heinrich von Fulda aufgrund einer Verfügung des Kaisers Karl IV. vom 6.Januar 1357 gute Einnahmen verschaffte. Die dort errichtete Zollstation lässt den Schluß zu, dass ein recht gut befahrener Fuhrmannsweg seinerzeit hier vorbeiführen musste, der möglicherweise zur Weinstraße führte. Wein aus Unterfranken und Salz aus Bad Orb und Eisen aus Bieber könnten wichtige Handelsgüter gewesen sein. Rund 180 Jahre dauerte es dann, bis das Tal an der Jossamündung wieder besiedelt wurde. Erst 1690 wird dann in den Kirchenbüchern von Neuengronau erwähnt, das der
                                             

                                                                      Jossmüller Johann Günther

eine Tochter taufen ließ. Dies ist der erste schriftliche Hinweis auf die Neubesiedlung, mit der auch die eigentliche Ortsgründung von Jossa begann. Der Familienname Günther kommt heute noch in Altengronau vor. Dies läßt den einfachen Schluß zu, dass der Altengronauer Bürger Johann Günther der Ortsgründer von Jossa war. Auch die Auflistung von Grundstückseigentümern in der Gemarkung Jossa und in der Gemarkung Altengronau von 1735 weist den Familiennamen Günther aus.

Die bereits erwähnte Sammlung von Fotos und Schriftstücken hat uns nach einigem Nachdenken dazu bewogen, alles so zusammenzustellen, dass es für jeden interessierten Bürger leicht einzusehen ist.
 
Wir zeigen jetzt die Fotos und die bereits erfaßte Dorfgeschichte auch auf unserer Webseite. Da kann unsere Chronik langsam wachsen, wir können ergänzen und verbessern bis es einmal so weit ist, dass man sagen kann: Jetzt machen wir ein Buch daraus. Und: jeder kann die Sammlung schon vor dem Entstehen des Buches einsehen und auch selbst an der Verbesserung unserer Chronik mitarbeiten.   

Wir laden hierzu herzlich ein.
 
Günter Walther,
für den Arbeitskreis Dorfchronik Jossa

und den Verkehrs- und Heimatverein Jossa 

 



Um die Jahresangaben der Zeittafel auch historisch besser einordnen zu können,  hier eine Auflistung über die Verwaltungszugehörigkeit von Jossa 

Jossa, Zugehörigkeit zu Verwaltungsbezirken:
 
1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altengronau
1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Altengronau
1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau
1816: Kurfürstentum Hessen, Amt Schwarzenfels
1821: Landkreis Schlüchtern
1848: Bezirk Hanau
1851: Kreis Schlüchtern
1867: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Schlüchtern
1974: Main-Kinzig-Kreis
 
Altkreis:
Schlüchtern bis 1974

 

 


Einwohnerstatistik  
Quelle: 
Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS)
Nach Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter im Staatsarchiv kann man feststellen: Der Eintrag für das Jahr 1852 war falsch,  dort stand 707, richtig ist 407. Vermutlich ein Übertragungsfehler aus älteren Dokumenten. Wir haben die Grafik hilfsweise korrigiert. Die Zahlen für 1871 sind bei allen Orten in unserer Region sehr hoch angesetzt und fallen eigentlich aus dem Rahmen. 
Die Steigerung von 1939 bis 1946 hat ihre Ursache in dem Zuzug von Flüchtlingen. Im Jahre 2014 liegen wir bei ca. 680 Einwohnern.  



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Gericht:
Amtsgericht Schwarzenfels bis 1821


Zeittafel   (kann von der gedruckten Chronik abweichen, da weiterhin verbessert und ergänzt wird)

Die rot geschriebenen Zeilen weisen auf den Bestand unserer Dokumentensammlungen aus dem Staatsarchiv Marburg hin


JOSSA - Historische Geschehnisse und Ereignisse mit Datierung
 
Wir beginnen mit dem Jahr 1303   
 
Das Dorf Gerrode, das im Bereich der heutigen Jossaer Gemarkung Gerroth  lag, wird erstmals urkundlich erwähnt. Das Dörflein bestand aus damals 11 Häusern und einer Mühle (Stand 1331).
 
Hinweis: Bei archäologischen Untersuchungen wurden in der beschriebenen Dorflage
265 Stücke mittelalterlicher Keramik gefunden. Aktueller Stand am 18.01.2014: Mittlerweile sind es tausende von Keramikscherben. Außerdem hat Matthias Zeller Münzen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, ein Hufeisen aus dem 12.bis 13. Jahrhundert und einen Schlüssel, der um ca.  1300 gefertigt wurde, gefunden. Es ist nichts dabei, das in die Zeit nach der Brandschatzung des Dörfleins Gerrode fällt. 



Foto: Andreas Ungermann

 

 

1357
 
Im  etwa gleich großen Dörfchen Rotelsau, am Fuße des Galgenbergs gelegen, wird 1357 aufgrund einer kaiserlichen Verleihung eine fuldische Zollstelle eingerichtet. Kaiser war seinerzeit Karl IV. Zollberechtigt war nun der Abt des Klosters Fulda,  Heinrich von Fuld. Diese Zollstelle soll an der alten Weinstraße gelegen haben, die u. a. an den Eselweg angeschlossen war. Vermutlich war sie so platziert, dass die Fuhrwerke aus den dort möglichen Richtungen die Zollstelle passieren mussten. Vorgefundene Steinansammlungen lassen auch auf eine Lenkung des Fuhrwerkverkehrs schließen. Fränkischer Wein soll auf dieser Straße den Weg ins Kinzigtal und  weiter nach Norden und Westen gefunden haben. Salz aus Bad Orb und ab dem 18. Jahrhundert Eisen und andere Metalle aus Bieber könnten zu den Waren gehört haben, die in die umgekehrte Richtung transportiert wurden. 

Zum Recht des Klosters Fulda, in Rotelsau Zoll zu erheben ist im digitalisierten Teil der Bayerischen Staatsbibliothek folgendes zu finden:
 
Metis, 6. Jan. 1357: Herrscher Karl IV erlaubt dem Abte Heinrich von Fuld und dessen Nachfolgern in den stiftischen Orten zu Rotelsowe (= Rotelsau, jetzt Gemarkung Jossa),
zu Steinbach, zu Flieden, zu Guesela und zu Berstedt einen  Zoll aufzuheben, von jedem Pferd, das mit Kaufmannschaft geht oder zieht, einen Schilling alter Holler, bis auf sein oder seiner Reichsnachfolger Widerruf.  
  
 
Bei Wikipedia ist über Rotelsau folgendes zu finden:

Die Wüstung liegt ca. 285 m über NN, 2 km südwestlich von Altengronau. Nach einer Aufzeichnung vom Anfang des 17. Jahrhunderts soll sie am Galgenberg an der Jossa gelegen haben.
 
Rotelsau gehörte im Heiligen Römischen Reich zunächst zum Gericht Altengronau. Der Herrschaft Hanau, später der Grafschaft Hanau und folgend der Grafschaft Hanau-Münzenberg gelang es im Prozess der Teritorialisierung nicht vollständig, das Gericht in ihre Grafschaft einzubinden. Rotelsau gehörte ursprünglich dem Kloster Fulda. 1391 gehören zu den Einkünften des Klosters Schlüchtern die Einkünfte aus der Mühle Rotelsau. Das Dorf wurde durch das Kloster Fulda im 14. Jahrhundert häufig verpfändet. So hatten es die von Thüngen und die von Hutten gemeinsam inne.
 
1510 wird das Dorf als Wüstung bezeichnet.
 
In einem Vertrag zwischen denen von Hutten und dem Grafen von Hanau von 1526 behielt sich Hanau die Hohe Gerichtsbarkeit im Dorf vor. Im 17. Jahrhundert beanspruchten die von Hutten ein mit Hanau gemeinsames Kondominium über die Gemarkung des ehemaligen Dorfes.
 
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. im Jahr 1736 erbten die Landgrafen von Hessen-Kassel die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg. Die Gemarkung Rotelsau gehörte so später zum Kurfürstentum Hessen, nach dessen Verwaltungsreform von 1821 zum Landkreis Schlüchtern und seit der Hessischen Gebietsreform in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Main-Kinzig-Kreis.

 
Hinweis: Am vermutlichen Standort der Mühle Rotelsau und  der vermuteten Dorflage werden archäologische Untersuchungen durchgeführt. 

 

 

Auszüge zur Ortschaft Rotelsau aus der Kirchenchronik Neuengronau, die seit 1662 geführt wird.

Zu diesem Zeitpunkt war der Ort Rotelsau schon mehr als 150 Jahre wüst. Wie schon kurz erwähnt, fand in 1897 die Abtrennung der Gemeinde Jossa von der Pfarrei Neuengronau statt. Aus einer Siedlung in der Nähe der Einmündung der Jossa in die Sinn hat sich das Dorf Jossa entwickelt. Der Name Jossa bezeichnete ursprünglich nur den Flusslauf, nicht aber die Niederlassung an seiner Mündung. Aus einem Protokoll des r. Thüngenschen Familienarchivs vom Donnerstag nach Judika des Jahres 1506 geht klar hervor, dass der ganze Geländekomplex am rechten Ufer der Sinn, die Jossa aufwärts bis zum Frongründchen (jetzt verstümmelt zum Grundgründchen) bis hinauf auf den Kamm der beiderseits sich hinziehenden Höhen die Rottelesawe, Rotelsawe oder Rottelsau hieß und teils den H. H. v. Thüngen, teils denen von Hutten gehörte. Bis 1359 gehörten das Wasser und das Fischereirecht den Herrn von Hanau. Auch besaßen diese hier eine Mühle, für die der Inhaber als Pacht jährlich ein „Gestwin“ zu liefern hatte. Das Fischereirecht und die Pachtabgabe kamen im genannten Jahre an das Kloster Schlüchtern. Später ging der Besitz an die von Hutten und Thüngen über. Am 22. Februar 1440 verkaufte Karl von Thüngen zu Reußenberg seinen Anteil an Lorenz und Ullrich von Hutten. Es besteht demnach kein Zweifel, dass die Rottelsau schon 1359 besiedelt war, aber über den Umfang der Siedlung fehlt jede Nachricht. Immerhin ist es möglich, dass der Müller in der Rottelsau den einen oder anderen Nachbarn hatte. Wahrscheinlich ist, dass die Bezeichnung Rottelsau hin und wieder schon im engeren Sinne gefasst und speziell auf die Niederlassung bezogen wurde. So, wenn Rottelsau neben Altengronau und Emersbach genannt wird, oder wenn von dem Wege von Rottelsau nach Altengronau die Rede ist. Dass hier jemals eine Burg oder ein Schloss gestanden hätte, die als Stammsitz der Herrn von Jossa in Frage kämen, gehört in das Reich der Fabel. Im Dreißigjährigen Kriege muss Rottelsau gründlich zerstört und aller seiner Einwohner beraubt worden sein, denn nach dem Kriege kannte man nicht einmal mehr seinen Namen. Als einigermaßen wieder Ruhe und Ordnung im Lande eingekehrt waren und man mit dem Wiederaufbau der vernichteten Ortschaft begann, war vermutlich die alte Mühle das erste Gebäude, das sich aus den Trümmern von Rottelsau wieder erhob. Die mit dem Jahre 1662 beginnenden ältesten Kirchbücher der Pfarrei kennen an der unteren Jossa nur eine Mühle. Die hieß aber nun nicht mehr Rottelsau oder Mühle in der Rottelsau, sondern die „Mühle in der Joß“ oder „Joßmühle“. Sie wird wohl längere Zeit recht einsam im Grunde gelegen haben. Die Tatsache, dass in den ältesten Kirchenbuche von Altengronau nur von einem Joßmüller, aber nie von anderen Jossaern die Rede ist, scheint darauf hin zu deuten. Aber im Laufe der Zeit bekam der Müller Nachbarn und deren Zahl war bald groß genug, um eine Dorgemeinde zu bilden. Sie nannten ihren Wohnort Jossa. Dass man nicht auf den ursprünglichen Namen zurück griff, ist wohl nur daraus zu erklären, dass unter den Bewohnern des neuen Dorfes sich auch nicht mehr ein einziger befand, dessen Heimat Rottelsau gewesen wäre oder der es überhaupt gekannt hätte. Gestorben und verdorben durch den Krieg, das war das Schicksal der letzen Rottelsauer gewesen. Mag aber der Name der alten Niederlassung auch in Vergessenheit geraten sein, Jossa ist und bleibt der Phönix, der sich aus der Asche von Rottelsau erhoben hat. 
 

Der Hinweis in den Kirchenbüchern von Neuengronau, dass der Ort im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, könnte in Zweifel gezogen werden, da an anderer Stelle berichtet wird, dass das Dörfchen bereits 1510 wüst war. Ob danach bis zum Dreißigjährigen Krieg erneut eine Besiedelung stattfand, ist nirgendwo belegt.  


In dieser Karte des Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen sind die vermuteten Standorte der beiden untergegangenen kleinen Dörfer Gerrode und Rotelsau markiert. 

 

 

1481

Bestand 86 Nr. 29545, 1 Seite ORDNER 1, Reg: 1
Mainzische Vermittlung in der Irrung zwischen Hanau und Jacob von Hutten wegen der Jossa
 
 
1483
 
Während einer Fehde zwischen den Herrn von Hutten und von Thüngen geht das Dorf Gerrode in Flammen auf. Ob auch der  gegenüberliegende Ort Rotelsau hiervon betroffen war, ist nirgendwo vermerkt.
 
 
1510
 
Das kleine Dorf Rotelsau wird als Wüstung bezeichnet
(entgegen der Auffassung von Metropolitan Kientzler, Chronist Kirchenchronik Neuengronau, der mutmaßt, Rotelsau sei im dreißigjährigen Krieg vernichtet worden. )

Man kann ziemlich eindeutig feststellen: Der Untergang der beiden Vorgängerdörfer von Jossa, Gerrode und Rotelsau, wurde nicht durch Streitigkeiten ausgelöst, die mit der einsetzenden Reformation und den daraus resultierenden Auseinandersetzungen in Verbindung zu bringen sind. Der Untergang von Rotelsau könnte die gleichen Gründe haben, wie zuvor die Vernichtung von Gerrode- also Streitigkeiten zwischen denen von Hutten und von Thüngen. Zu dieser Zeit soll es einen sehr feuerfreudigen Menschen bei den Herren von Thüngen gegeben haben. Möglicherweise war auch eine gezielte Beseitigung der Zollstation Rotelsau die Ursache für den Untergang des Dorfes. Es wurden hierzu keine Berichte gefunden.  

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Es folgt ein kurzer Einblick in die Geschehnisse der beginnenden Reformation und des Dreißigjährigen Krieges. Diese Ereignisse hatten einschneidende Veränderungen für Mittel- und Westeuropa und natürlich auch für unsere Region zur Folge. U.  a. wurde das Amt Altengronau von den Herren von Hutten nach dem Dreißigjährigen Krieg verkauft. 

 

 

1511-1525  
 

Martin Luther reist 1511 nach Rom. 1517 schlägt er die berühmten 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg. Er widerruft 1521 auf dem Reichstag zu Worms nicht und übersetzt auf der Wartburg die Bibel von der lateinischen in die deutsche Sprache.

Dr. Martin Luther, Pfarrer und Professor der Theologie wird 1521 wegen seiner Kritik an der bibelfernen Kirchenpolitik des Vatikans vor den Reichstag zu Worms zitiert. Er soll u. a viele seiner 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 am Tor der Schloßkirche zu Wittenberg angeschlagen hatte und  andere vatikankritische Aussagen widerrufen. Luther hatte 1511 eine Reise nach Rom unternommen  und promovierte  danach im Jahre 1512 zum Doktor der Theologie. In seinen späteren Betrachtungen erwähnt er immer wieder Erlebnisse von seiner Reise nach Rom. Seine kritische Haltung zur Kirchenpraxis - im besonderen auch den Ablasshandel - verstärkt sich danach beständig. Die Kurie lädt ihn nach Rom vor.  Er lehnt das ab und erfährt hierbei Unterstützung durch den sächsischen Kurfürst. Vom 12. bis 14. Oktober 1518 spricht er auf dem Reichstag zu Augsburg und muss von dort flüchten, um nicht verhaftet zu werden. Der Ablasshandel blüht indes weiter. Ein bekannter Spruch aus dieser Zeit ist: Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.

Luther erhält 1521 nochmal vor dem erwähnten Reichstag zu Worms Gelegenheit, von seiner Kritik abzurücken - er widerruft jedoch nicht. Darauf verhängte der Reichstag am 26. Mai 1521 das auf den 8. Mai rückdatierte, vom Kaiser gezeichnete Wormser Edikt über ihn: Es verbot unter Berufung auf die Bannbulle des Papstes im gesamten Reich, Luther zu unterstützen oder zu beherbergen, seine Schriften zu lesen oder zu drucken, und gebot, ihn festzusetzen und dem Kaiser zu überstellen. Die Reichsacht wurde den Ständen jedoch erst nach dem offiziellen Reichstag mitgeteilt, so dass ihre Rechtsgültigkeit vielfach bestritten wurde. Auch so hätte jeder Luther töten können, ohne dafür belangt zu werden: Er war nunmehr „vogelfrei“. Gemäß der Zusage an seinen Kurfürsten erhielt er freies Geleit ab Worms. Später bereute Karl V. diese Zusage, weil die folgende Reformation die Einheit seines Reiches zerstörte.
 
Der Geächtete wurde am Abend des 4. Mai 1521 auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein bei Steinbach (Thüringen) von Friedrichs Soldaten heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen. Auf dem Heimweg kam er sicher auch durch den Bergwinkel.  Auf der sicheren Wartburg übersetzte er die Bibel vom Lateinischen ins Deutsche. Mit der Verbreitung der deutsch gedruckten Bibel wurde die Entwicklung der Reformation gefördert. Auch fürstliche und adelige Anhänger des reformierten Glaubens setzten sich in der Folgezeit immer mehr von der katholischen Kirche und ihren Würdenträgern ab. Auf beiden Seiten gab es radikalisierende Gruppen, denen es nicht immer um Glaubensfragen ging. Es kam u. a. zu den Bauernkriegen. Ein kurzer Reichstag zum Ende des Jahres 1525  widmete sich den Spannungen nach dem Bauernkrieg. Während die eine Seite die strikte Durchführung des Wormser Edikts von 1521 forderte, plädierten andere für die Umsetzung kirchlicher Neuerungen. Man einigte sich auch unter Konrad Peutingers Einfluss auf den Kompromiss, in Glaubensfragen die Entscheidung eines Konzils abzuwarten. Die Predigtklausel des 3. Nürnberger Reichstags und die Konzilsforderung wurden wiederholt. Eine Vertagung auf das Folgejahr in Speyer wurde beschlossen.

 

1530

In Augsburg soll soll auf dem Reichstag ein tragfähiger Kompromiß gefunden werden.
In Wikipedia ist nachzulesen:
Der Kaiser zog am 15. Juni in Augsburg ein und eröffnete am 20. Juni den Reichstag.
Aus kaiserlicher Sicht waren die Hilfe gegen die Türken und die Lösung der Konfessionsprobleme Hauptthemen.
Die Ausbreitung theologischer Diskrepanzen in den jüngsten Jahren belastete die politische Situation im Reich, weshalb Karl V. die Reformatoren um Darlegungen ihrer Standpunkte gebeten hatte.
Auf diesem Reichstag bemühte sich Philipp Melanchthon in zähen Verhandlungen um die Anerkennung des protestantischen Bekenntnisses durch die katholische Seite. Das für die reichsrechtliche Existenz des Protestantismus elementare "Augsburgische Bekenntnis", das in den wesentlichen Teilen von Melanchthon stammt, wurde nach Akzeptanz durch den Reichstag auch von Martin Luther akzeptiert. Luther konnte sich zu dieser Zeit wegen seiner Reichsacht nicht nach Augsburg wagen und half seinen Freunden von der Veste Coburg aus brieflich mit seinem Rat.


Das Ergebnis dieses Reichstages brachte zwar noch lange keine Einigung, aber es gelang, größere kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Auch nachfolgende Reichstage brachten letztendlich auch keine Einigung. Die offenen Fragen schwelten weiter. 



1567 - 1571

Bestand 86 Nr. 32144,  5 Seiten ORDNER 1; Reg: 2
Appellationsklage der Grafen von Hanau gegen Kurmainz  wegen der Rechte auf der Jossa
Auch hier geht es offensichtlich um Rechte, die von der Kurie und den Grafen zu Hanau gleichermaßen beansprucht wurden. Die Verhandlungsführer wollten jedoch jede schlimmere Eskalation vermeiden, was auch gelang. 

 


1618 - 1648

Der Dreißigjährige Krieg


Das Auseinanderdriften im Glauben, die teils daraus folgenden verstärkten Streitigkeiten um Besitz und Eigentumsrechte und die Furcht des Vatikans um die Macht des Papstes spalten die deutschen Kurfürstentümer, Fürstentümer. Grafschaften, Bistümer und Provinzen. Auch Böhmen ist betroffen. Es gibt nun Anhänger des Papstes und Gegner des Papstes. Der Habsburgische Kaiser war als Nachfolger der politischen Führer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf der Seite des Papstes. Gewaltigster Gegner des Papstes  war der schwedische König Gustav Adolf, der Verbündeter des Kurfürstenstums Sachsen, der Landgrafschaft Hessen und der nördlichen protestantischen Regenten wurde. Das katholische Frankreich griff nicht ein, weil es den Habsburger Kaiser nicht unterstützen wollte. Das macht aber auch deutlich, dass es in dem Krieg, dann schon sehr oft nicht mehr um Glaubensfragen ging, sondern um Macht und Besitz. Das freie Lexikon Wikipedia schreibt hierzu:

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich auf europäischer Ebene der habsburgisch-französische Gegensatz und auf Reichsebene derjenige zwischen Kaiser und Katholischer Liga einerseits und Protestantischer Union andererseits. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten im Reich trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden,Dänemark und Schweden aus. Infolgedessen verbanden sich eine Reihe weiterer Konflikte mit dem Dreißigjährigen Krieg: der Achtzigjährige Krieg (1568–1648) zwischen den Niederlanden und Spanien, der Französisch-Spanische Krieg (1635–1659) und der Torstenssonkrieg (1643–1645) zwischen Schweden und Dänemark. Als eine der negativen Kriegsfolgen ist der Bevölkerungsrückgang durch Kriegseinwirkung festzuhalten. Durchschnittlich sollen dies 45 % gewesen sein. In manchen Regionen auch über 65 %, abhängig vom Zug der Armeen. 
  

 

Auch die hiesige Region leidet sehr unter dem Dreißigjährigen Krieg. So ist bekannt, dass das nahe gelegene Dorf Ratzerod völlig vernichtet wurde. 

 

 *    *    *    *    *

 

1648
 
Ende des verheerenden Krieges. Die von Hutten bildeten aus Altengronau und ihren Anteilen an Obersinn, Mittelsinn und Aura ein besonderes Amt als Glied des Reichsritterschaftsorts Rhön und Werra. Sie verkauften das Amt unter Vorbehalt der Zugehörigkeit zur reichsritterschaftlichen Matrikel 1648 an Hessen-Kassel. Seit etwa der Mitte des 18. Jh. kam dazu das neu gegründete Dorf Jossa. 

Die Landgrafschaft Hessen blieb auch im Verlauf der Dreißigjährigen Krieges protestantisch. In unserer Region entstanden unter dem Einfluß des Klosters Fulda auch einige katholische Dörfer (Weiperz, Sannerz, Herolz), Züntersbach war geteilt.  



1690
 
In den Kirchenbüchern von Neuengronau wird niedergeschrieben, dass der Jossmüller Johann Günther eine Tochter taufen ließ. Daraus kann geschlossen werden, dass die Jossmühle schon existierte, die unumstritten als erstes Haus des Dorfes Jossa gilt. In den bis ca. 1970 gebräuchlichen Hausnummern (die auch chronoligisch die Entstehung der Häuser darstellten) wird der Mühle immer die Haus Nr. 1 zugeteilt
 
 
1698
 
Konrad Johann Bepler ist nun Besitzer des Jossmühle
 
 
1709
 
Konrad Fuß wird als Besitzer der Jossmühle genannt
 
1732
 
Peter Fuß, neuer Besitzer der Mühle,  stirbt 37-jährig.

 

1734
 
Das Dorf Jossa wird urkundlich erwähnt   

>Bericht des Heimatforschers Karl Schmerbach, Schlüchtern im Bergwinkelboten 1970 über das jüngste Dorf des Kreises<
 
Karl Schmerbach hat in ansprechender Weise die Geschichte des jüngsten Dorfes im Bergwinkelboten festgehalten. Ein kleiner Fehler ist uns aufgefallen. Jossa wird nicht seit 1795 von Marjoß "pastorisiert", sondern erst 100 Jahre später - nach dem Kirchenstreik, der dem Wunsch nach einer eigenen Kirche in Jossa Nachdruck verleihen sollte. Jossa wechselte 1897 vom Kirchspiel Neuengronau ins Kirchspiel Marjoß und wurde dort Filialgemeinde.    


1735
 
Thomas Philipp Günther wird als Jossmüller erwähnt

 

 

 

Noch 1735

BESTAND 2 KARTEN, STAM P II 1315, P II 14682 im Staatsarchiv Marburg 

 

Ausschnitte aus einer Karte, die im Original ca. 1,80 lang und 1,40 m hoch ist. Sie umfasst die Gemarkungen Altengronau und Jossa.  

Wir haben digitale Ausgaben in kleinerem Format, von denen wir nochmal Ausschnitte für Jossa gefertigt haben. Auf der Karte oben links sieht man den Richtungskreisel sowie die Übersicht über Sinntal rechts sowie das einmündende Jossatal, Auf der Kartenmitte sieht man die Bezeichnung Galgenberg - oberhalb vom Gründchen links im Waldrandbereich. Auf der Karte oben rechts sieht man die damals vorhandene Wohnbebauung (gelb).  Die Karte unten zeigt einen noch etwas größeren Bereich. 

 

Zur Ermittlung von Steuerabgaben, werden Karten angefertigt mit Namenslisten und Angaben über Grundstücksflächen. In Jossa müssten gemäß dieser Karte 23 Häuser  gestanden haben, die alle rechts der Jossa angesiedelt waren.Die Besiedelung erfolgte demnach von der Mühle ausgehend entlang der Strasse Richtung Gerroth und  entlang der heutigen Waldstrasse (früher Bergstrasse). Auf der etwa 180 x 120 cm im Staatsarchiv Marburg deponierten Karte von 1735 findet man etwa  bei der heutigen Maschinenhalle (Ersatz für frühere Dreschhalle) die Bezeichnung "Wolfsgrund". Bekannt ist natürlich auch der "Wolfsbrunnen" im Jossatal, nicht weit von der Müsbrücke entfernt. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass dieses Wildtier, das später als ausgerottet eingestuft wurde, auch in unserer Region heimisch war.  
 
Erstmals wird als Herkunftsort  die Ortsbezeichnung "Jossa" in den Kirchenbüchern erwähnt.
Es kann davon ausgegangen werden, dass Jossa seit dieser Zeit als selbständiger Ort geführt wurde. Eine exakte Niederschrift über das Datum, an dem Jossa selbständig wurde, ist bis dato nicht gefunden worden. Fünf Jahre später -

 

1740

Die Gemeinde Jossa bekommt in Kaspar Buchhold ihren ersten Lehrer 

Bislang hatten die Jossaer die Kinder nach Altengronau zur Schule schicken müssen, was sehr beschwerlich und in den Zeiten, wo die Sinn Hochwasser führte, nicht ganz ungefährlich war. In Ermangelung eines Schulsaales zog Buchhold mit seinen Schülern Sommer wie Winter von Haus zu Haus, um bald hier bald da Schule zu halten.
 
Am 14. Apr. 1774  - nach 34-jähriger Tätigkeit in Jossa - starb Lehrer Kaspar Buchhold . Jakob Euler wurde sein Nachfolger, aber nur für ein Jahr. Er ging nach Breunings und wurde in Jossa 1775 von Hufnagel abgelöst. 

 

1749  

Es ist schriftlich festgehalten, dass die Dorfschulzen von Altengronau, Jossa und Mittelsinn  (gehörte teilweise denen von Hutten bzw. deren Rechtsnachfolger Hessen-Kassel)  beim Amt Schwarzenfels vorsprachen und  ihren Lohn in Form von Frucht und anderen Naturalien haben wollten. Das entsprechende Gesuch ist dokumentiert.
 

1747 - 1751 und 1763

Bestand 80 Nr. 5199, 12 Seiten, ORDNER 1; Reg. 3
 
Dokumente über die geplanten Holzflößungen von Kurmainz auf der Jossa durch hanauisches Gebiet
 
 
1763

Bestand 81, Nr. 637, 4 Seiten, ORDNER 1; Reg: 4
Genehmigung der kurmainzischen Regierung, das im Wald von Marjoß geschlagene und für die Hofhaltung in Hanau bestimmte Brennholz solange auf  kurmainzischem Gebiet an der Wieselbach zu lagern bis die Jossa schiffbar ist

 

1771

Bestand 81, Hanau B 1 Rubrk. 100 Nr. 16

Der Bachlauf der Jossa war wichtig für die Flößerei und für die Rückenwiesen (Bewässerungswiesen). Dokumente über Uferbesichtigungen durch die Amtsleute mit den Anliegern belegen dies.

An der Jossa und an der Sinn wurden  von den Amtsleuten zu Steinau Behinderungen für das Flößen festgestellt. Es wird deshalb in einem vierseitigen Schriftstück vorgeschlagen, was beachtet werden soll.
 
So sollen von den Anliegern nicht ganze Bäume zur Uferbefestigung eingebaut werden, sondern es soll Zopfholz verwendet werden, das in dortiger Gegend allenthalben gratis verabreicht würde. Allenfalls könnte man Weiden pflanzen (die aber dann zum Flößen wieder gekürzt und geschnitten werden müssen).
 
Weiterhin wurde bemängelt, dass viele Wehre für das Bewässern sehr hoch angelegt wurden. Das behindere teilweise das Flößen, weil das Wasser dort sehr hoch gestaut würde und fast stehen würde. Die Wehre sollen nicht ganz so hoch gebaut werden.
Im "gemeinschaftlichen nostitzischen Territorio" sei die Sinn über die Maßen mit Holz bewachsen. Die Leute sollen angehalten werden das gründlich auszuputzen.
Im besonderen solle dies die Provinzialregierung in Hanau dem Amte Schwarzenfels, den Herren von Thüngen und Herrn Grafen von Nostitz  übermitteln, da erwähnte Höchst und Hohe Herrschaften selbst in diesen Wassern flößen lassen und also dadurch eben den gleichen Nutzen wie Hanau hätten.
 
Auch allen anderen betroffenen Anliegern könne man wohl am besten durch einen gemeinsamen Augenschein die getroffenen Feststellungen vorhalten und die notwendigen Maßnahmen veranlassen.

Anmerkung:

Im letzten Drittel der Chronik  wird aus einem Buch von H. Puchert eine Abhandlung über die Flößerei bzw. das „Holztriftern“ wiedergegeben. 

 

1775

In der Kirchenchronik Neuengronau ist vermerkt:

Die Jossaer werden ermahnt, ihrem Lehrer eine Schule zu schaffen oder ihre Kinder wieder nach Altengronau zu schicken.

In Jossa unterrichtete nun der Lehrer Hufnagel. Ein Schulhaus war noch ein frommer Wunsch. Der Lehrer hatte mit seinen Schülern keine bleibende Stätte. Für die sonntäglichen Gottesdienste hatte der Bürgermeister Zeller zwar aus Gefälligkeit ein Zimmer in seinem Hause eingeräumt, aber um Schule zu halten, musste der Lehrer nach wie vor mit seinen 36 – 40 Schülern Sommer wie Winter von Haus zu Haus ziehen. Bei der großen Armut der Gemeinde, die sich aus Tagelöhnern und insgesamt wenig bemittelten Bürgern zusammensetzte und auch nach der Anstellung eines Lehrers den Beitrag zur Besoldung des Altengronauer Lehrers weiter leisten musste, war es leichter – wie 1775 geschehen – den Schulhausbau zu verfügen als durchzusetzen. Man behalf sich zunächst damit, dass man eine Schulstube fest mietete. Zur Aufbringung des Mietzinses ließ das Konsistorium dem Lehrer „jedoch ohne alle Konsequenzen“ wiederholt einen Jahresbeitrag von 6 – 10 fl  (Gulden) aus der Klosterkasse zahlen

 

 

1786

Die Gemeinde hatte das Unhaltbare des Zustandes lange erkannt und 1786 um Erlaubnis zur Erbauung eines Bet- und Schulhauses nachgesucht. Nach dem Vorschlag des Pfarrers sollte es zweistöckig und mit einem Türmchen versehen werden. Viehstall und Heuboden sollten nicht fehlen. Die Gemeinde hielt ein Haus mit steinernem Unterbau und einem Stockwerk für genügend, auch wollte sie den Betsaal unten hin, Wohnung und Schulraum nach oben verlegt wissen. Als Bauplatz hatte man ein Grundstück zwischen Jossa und Mühlgraben in unmittelbarer Nähe der Mahlmühle ausersehen.
 
Die Behörde fand aber das Projekt zu luxuriös und kostspielig und machte 1793 die Gemeinde darauf aufmerksam, dass sie keine Landeskollekte, sondern nur eine solche aus der Grafschaft Hanau erhalten könne, was zwangsläufig zu geringeren Einnahmen führen würde. 

 

 

1785 - 1787

Untersuchung der von den Fuhrleuten zu Altengronau und Jossa über die Spiegelhütte vorgebrachten Beschwerden durch Landrat v. Gailling. 

Die Beschwerdeführer erklärten, daß

            1.)       die Spiegelhütten Bedienten die Holzanfuhre zur Hütte aus-
                       wärtigen Unterthanen accordiret! und den Einländern dadurch
                       den Verdienst entzogen hätten.

            2.)       daß das von den Würzburgischen Holzhändlern ertauschte Main-
                       zische Holz nicht durch sie Querulanten, als verpflichtete Holz-
                       hauer, sondern von unverpflichteten fremden Holzhauern
                       gemacht sey.

            3.)       daß es auch zweifelhafft sey, ob dieser Tausch für das herr-
                       schaftliche Interesse vortheilhafft gewesen, indem bey dem klein-
                       spalten vieles Holz von den fremden Holzhauern im Walde verbrannt
                       worden und das der Gemeinde Aura zum Anfahren accordirte
                       Holz allzulange im Walde liegen geblieben und verdorben sey.

 

            4.)       daß der Maurer Schmitt in Altengronau den neuen Schmelz-
                       ofen auf der dasigen Spiegelhütte nicht habe machen dürfen, son-
                       dern ein fremder Maurer dazu genommen sey.

            5.)       daß dem Unterthan Meyer der ihm durch die Thüngische Fuhr-

                       leute verursachte und taxirte Schaden nicht völlig vergütet,
                       den übrigen Unterthanen aber gar eine Entschädigung angedie-
                       hen sey.

            6.)       daß dem Unterthan Andreas Beringer durch die Thüngische
                       Holzflößer großer Schaden zugefügt wurde und derselbe öftere
                       Überschwemmungen durch das angelegte Flößwehr ausgesetzt sey.


 
Die vorgetragenen Beschwerden 1 bis 5 wurden mit teils nachvollziehbaren Begründungen abgewiesen.

Zur Beschwerde 6 wurde festgestellt, dass der Schaden durch gefrorenes Eis und durch Eisbruch entstanden sei. Solche Schäden seien durch die Witterung, wahrscheinlich durch plötzlich einsetzendes Tauwetter mit entsprechenden Wassermassen entstanden. Trotzdem sollte der Unterthan Beringer Bauholz und Geld zu Lasten der Spiegelhütten-Kasse erhalten, damit er seinen Schaden ersetzen könne und das Wehr wieder errichten könne. 

 


1789 - 1798

Lt. Staatsarchiv Marburg, Bestand 80 Nr. 1009
Vererbleihung der Mühle zu Jossa



1792 - 1794


lt. Staatsarchiv, Bestand 80 Nr. 1502  
Gesuch des Wirtschaftsbeständers Johannes Meyer zu Jossa um Übertragung einer Wirtschaftsgerechtsame auf eine 18-jährige Erbleihe

1792

Der Jossaer Einwohner Johannes Meyer reicht ein Gesuch ein, das wie folgt von der Präfektur in Hanau protokolliert wird:
 
Prae. Hanau d{en] 29 t[en] Jun. 1792. 
Der Johannes Meyer gewesener Glaßmacher auf der zu Altengronau verloschenen Glaßhütte und Unterthan zu Jossa Amts Altengroanu
Bittet unterthaenigst, ihm entweder die Wirthschaft zu Jossa gegen einen
(Betrag von 20 Gulden) lebenslänglich zu überlassen oder gnädigst zu verstattehn sein Heußgen samt Zubehoer (zu) verkaufen und auf die zu  Pohlhum in America angelegte Glaßhuette ziehen zu dürfen 
 
In diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass die Glasmacher in der neu angelegten Glashütte zu Pohlhum in Amerika einen Wochenlohn von 20 Gulden bekämen. Solche Löhne waren damals für die hiesigen Verhältnisse absolut unvorstellbar und haben manchen zur Auswanderung bewegt, der in Deutschland kein Auskommen mehr hatte. Die Realität in Übersee war dann aber oft auch schlechter als aufgrund der Berichte erwartet.
 
Es ist nicht bekannt, wie das Gesuch des Johannes Meyer beschieden wurde. Es ist aber bekannt, dass Bürger aus Jossa und Altengronau ausgewandert sind. Ob der Johannes Meyer dabei war, konnte nicht ermittelt werden. 

1790 - 1797

Kollekte für den Bau eines Bet- und Schulhauses zu Jossa und kostenlose Überlassung von Bauholz für den Bau.

Mehrere Bitt- und Bettelriefe an die Obrigkeit in Cassel erwirkten die Genehmigung einer Kollekte in der Grafschaft Hanau. Auch das kostenlos überlassene Bauholz wird durch den Landoberförster Körner zugewiesen. Das Bauholz wurde von den Zimmerleuten schon zugeschnitten, die Kollekte erbringt jedoch nur 200 Gulden. Erforderlich waren aber 600 Gulden. Also wurden weitere Bittbriefe geschrieben. Es wird sogar die konkrete Bitte ausgesprochen, dass man die fehlenden 400 Gulden doch der Gemeinde Jossa schenken solle. Es wäre sicherlich ein gutes Werk zur Ehre Gottes und zum Wohle der Kinder.

Irgendwann muss sich jemand erbarmt haben. Die fehlenden Geldmittel wurden durch mehrere Kollekten aufgebracht. Im Jahre 1797 wurde das Schulhaus errichtet und alle waren zufrieden. Ob der angekündigte Jubel bis in den Himmel zum Throne Gottes vorgedrungen ist - es muss davon ausgegangen werden, denn das Haus konnte fast so gebaut werden, wie es die Jossaer gerne haben wollten.     

Aus den Neuengronauern Kirchenbüchern kann man entnehmen:
In dem vorhandenen kleinen Schulhaus (frühere Haus Nr. 37 und 37 1/2)  war zunächst auch  ein Betsaal untergebracht, der jedoch ab 1826 ebenfalls für den Schulunterricht benötigt wurde. Bis 1847 gingen die Jossaer Kinder hier zur Schule. Danach diente das Gebäude als Wohnhaus.

Das als Doppelhaus errichtete Gebäude befand sich in der Nähe der Mühle auf dem jetzigen Dorfplatz und wurde bis 1983 von der Familie Liesel Zeller bewohnt, dann vom Hessischen Strassenbauamt erworben und abgerissen, da nach einer Höhertrassierung und Verbreiterung der Fahrbahn mehrfach Lastkraftwagen den linken Teil des vorderen Hausgiebels gerammt hatten. Zwei der Jossaer Ortsvorsteher, Konrad Ruppert und Günter Walther, haben den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend als Bewohner des ehemaligen Schulhauses verbracht. 

Bildausschnitt: Altes Schulhaus auf dem jetzigen Dorfplatz neben dem Sägewerk. Dieses Gebäude wurde nach langem Drängen der Aufsichtsbehörde endlich 1797 gebaut und diente von 1797 bis 1847 als Schule. Auch die Haus Nr. 37 bzw. 37 1/2, die auch einen Rückschluss auf die Anzahl der Häuser im Dorf insgesamt zulässt, passt zu dieser Feststellung. Schriftlich ist festgehalten, dass das Gebäude nahe der Mühle stand. Sehr genau beschreibt Lehrer Wolfgang Schmidt in seinem Bericht zur Jossaer Schulgeschichte den Standort und die Beschaffenheit des Gebäudes. Er benennt eindeutig die Haus Nr. 37 und nennt als Eigentümer den Tagelöhner Kaspar Ruppert. Später kam als weiterer Besitzer (der hinteren Haushälfte) Friedrich Walther hinzu. Die Aussage über die frühere Funktion des Gebäudes wurde auch von Friedrich Walther (*13.11.1872, +25.1.1959) bestätigt.

Wie bereits berichtet, war die Jossaer Schule anfangs eine "Wanderschule". Alle Hausbesitzer mussten deshalb beispielsweise im vierzehntägigen Wechsel ihren wohl größten Wohnraum für die Schüler zur Verfügung stellen. Vermutlich mussten sie auch im Herbst und Winter das Heizmaterial stellen. Gebäudekosten sparte die ohnehin arme Gemeinde auf diese Weise. Es wird aber auch berichtet, dass es in der Zeit dieser "Wanderschule" auch schon mal vorkam, dass nicht alle Kinder einen Sitz- oder Stehplatz hatten. Manche Eltern schickten dann ihre Kinder nicht zur Schule. Auch die seit 1775 angemietete feste Schulstube war wohl nicht immer ausreichend, wenn alle Kinder anwesend waren. Man war jedenfalls sehr erleichtert, als ab 1797 ein Schulhaus vorhanden war und jedes Kind einen Sitzplatz hatte. 

 

1800

Es gibt schon Pläne für die Eisenbahnlinien Fulda-Hanau und Fulda-Schlüchtern-Elm-Gemünden, die im Original im Staatarchiv Marburg liegen. Der Bau der Eisenbahn Elm-Gemünden erfolgte dann aber erst ab 1869
.

In den Jahren vor der Einführung der Eisenbahntechnik gab es sogar Pläne, die Sinn

 

von Gemünden bis Jossa durch Einbau von Schleusenabschnitten schiffbar zu machen.  

 

 

1804

Gesuch der Gemeinde Jossa um Zustehung der Waldhute. 

Am 7. August 1804 schreibt die Gemeinde, dass die Forstbediensteten, die Viehhalter daran hindern würden, im Wald Gras zu rupfen und das Vieh in Waldbestände zu führen, wo es teils ebenfalls Gras vorfinden würde. Der Original-Brief hat wurde wie folgt übersetzt:



                                    ***********************

Da wir Unterthanen zu Joß, amt Altengronau, in einer Gegend leben, wo aus Mangell der Verdiensten, auf keine andere Weiße uns zu ernähren wißen, als das ein jeder sich bishero etwas Rindvieh zu seiner Nahrung gehalten, und damit seinen Feldbau versehen hat, auch so hat ein jeder Hauß Vatter, die seinigen zu ernähren, zumahlen unsere Vor Eltern (Vorfahren) die Gnädige erlaubnüß hatten, nicht nur das Graß, aus denen Herrschafftl[ichen] Waldungen Ropfen zu dürfen, sondern auch mit dem Vieh, in denen Jungen Schlägen, denn Wintter durch, biß das Laub hervor kam füttern durften, wo als alsdann diese Junge Schläge Zur Hege, jedoch kein graß ropfen erlaubt, und die Hohe Schläge uns zur Hälfte gegeben worden sind.

So nun aber alles diese uns entrissen, wir von dene Forst Bedienten, mit aller Schärffe abgehalten werden, mithin wir unßer Vieh nicht aus dem Stall treiben dürfen, zumahlen die Junge Schläge bis ans Feld gehen, und die Gemeinde nicht das mindeste Zur Hufte hat, wodurch wir alle unßer Vieh abschaffen müssen, welches leider Gott vor uns sehr traurig ist, und so keine Aussicht mehr vor uns sehen, wo hehr wir Brod vor unßere Kinder nehmen wollen.

So ergehet an unßeren Durchlauchtigsten Curfürsten, unßeren Gnädigsten Landes Vatter dieser unterthänigstes und fußfälligstes Bitten und Flehen, Höchst Dieselben wollen die Hohe Gnade und Barmherzigkeit vor uns haben, und uns dem Genuss mit mit Ropfen des Grasses, und Hüttung des Viehes, in denen Herrschfftlichen Waldungen nach Maasgabe, Gnädigst angedeihen zu lassen.

Wir sehen einer Gnädigsten Resolution Hofnungs voll entgegen, welches Ewig mit unterthänigsten Dank anerkennen werden


                                                                          **********************

Das Gesuch wurde abgelehnt. Man verweist auf Waldbezirke, in denen die Hute zugelassen sei. Außerdem wird empfohlen, nur so viel Vieh zu halten, wie man es mit eigenem Wiesengelände ernähren könne. Auch der Hinweis auf die bisherige Regelung, die auch schon von den Vorfahren genutzt wurde, half nichts.

Man muss aber festhalten, dass zumindest in späteren Jahrzehnten, Rodungen durchgeführt wurden, um Feld- und Wiesengelände zu schaffen. Auch die Waldhute für die Schweine wurde ermöglicht. Sie stellte eine wichtige Futterquelle dar, da die landwirtschaftlich nutzbare Fläche in Jossa im Vergleich zur Einwohnerzahl sehr gering war

1805

lt. Staatsarchiv Marburg, Bestand Nr. 80, Nr. 5420
Gesuch des Wildpretbeständers Heinbuch zu Jossa um Ablieferung des für die Hofhaltung zu Hanau nicht benötigten Wildprets

 

1811

Einwohnerzählung der Pfarrei Neuengronau


Eine 1811 vorgenommene Zählung aller Einwohner der Pfarrei ergab

für Neuengronau  451 Einwohner.nebst umliegenden Gehöften 233 männliche und 218 weibliche Bewohner,
für Altengronau    647 Einwohner, davon 330 männliche (dar. 16 Juden) und 317 weibliche (dar. 11 Juden) Bewohner,
für Jossa             292  Einwohner, davon 146 männliche und 146 weibliche Bewohner.

Die Gesamtzahl der christlichen Einwohner in der Pfarrei belief sich demnach auf 1.363.

Bei dieser Zählung hat Neuengronau noch deutlich mehr Einwohner als Jossa. 
Neuengronau verliert im Vergleich zu Jossa und Altengronau ab 1871 Einwohner und fällt 1895 hinter Jossa zurück. In der Einwohnerstatistik 1967 des Landesarchivs LAGIS sind folgende Vergleichszahlen
aufgeführt:


LAGIS 1967                            Statistik Gemeinde Sinntal 2014
Altengronau    1315                1279  Einwohner      

 

Jossa               745                  632  Einwohner
Neuengronau    397                  351  Einwohner
   

lt. Staatsarchiv Marburg, Bestand 80 Nr. 13095
Gesuch des Lehrers Heinbuch zu Jossa um Vergütung seiner Schreibarbeiten für den Ortsmairie (Bürgermeister)
 
 
1816 - 1817

Bestandsaufbesserung für den reformierten Lehrer zu Jossa

Der in Jossa tätige Lehrer erhielt eine Entlohnung durch die Gemeinde. Diese war jedoch nach allgemeiner Auffassung zu gering. Deshalb schrieb man an den Landesherrn um eine Regelung für die Aufbesserung des Gehaltes durch eine externe Zuzahlung zu erwirken. 

Brief vom 26. Sept. 1816 an den Kurfürsten von Hessen-Cassel wörtlich und in damaliger Schreibweise aus der altdeutschen Schrift übertragen:
 
Allerdurchlauchtigster Kurfürst aller gnädigster Fürst und Herr!

Zu vorigen Zeiten bestand unser Dörfgen in einigen Häusern, deren Bewohner ihre Kinder nach Altengronau in die Schule schicken mussten.

Dermalen wo die Anzahl der Häuser 34 und der Schulkinder 55 sind, haben wir unseren eigenen Schullehrer –Schulhaus und Betsaal – aber leider keine Besoldung !

Dasjenige was der Schullehrer von den Gemeindsglieder erhält, beträgt im ganz genauen Anschlag jährlich kaum 32 fl. 30 kr. Wir als meistentheil geringe Handwerker können,  wie sehr wir es wünschen unseren Schullehrer welcher allen Fleiß zur Bildung unserer Kinder anwendet ,| aus eigenen Mittel nicht erhalten, noch weniger unsere Kinder dem gefährlichen Schulgang nach Altengronau aussezzen !

Eure königliche Hoheit, allgemein gelibt und gepriesen allergnädigste Fürsorge und Unterst[ütz]ung dürftiger Schulen; Bitten und Flehen wir in tiefster Ehrfurcht allerhöchst Dieselben geruhen zur Unterstüzung unserer Schul als der Erziehung und Bildung unserer Kinder, aus der Renterei Altengronau jährlich 3 achtl. Korn un 25 fl. an Geld allergnädigst zu bewilligen. Diese allerhöchste Gnade; wird als eine Quelle des Seegens zur Bildung unserer Kinder als gute Unterthanen dem Staate nüzlich werden.
 
Unterzeichnet wird der Brief von Pfarrer Bus, Neuengronau, sowie dem Schultheis Woche der Gemeinde Jossa, Amt Altengronau und dem Gemeinsgeschworenen Wasa

 
Das Kurfürstliche evangelisch reformerte Consistorium zu Hanau, erstattet über das Gesuch der Gemeinde Jossa  mit Schreiben vom 28. Okt. 1816 folgenden Bericht an den Kurfürst  zu Hessen-Cassel :
 
Die Vorsteher der Gemeinde Joßa bitten Ew. Königli[iche] Hoheit in der hier wieder zurückgehenden, uns allergnädigst zugefertigten Vorstellung, allerunterthänigst: ihrer Gemeinde für ihren Schullehrer eine jährliche Unterstützung von 3 Achtel Korn und 25 fl. an Geld, aus der Renterey Altengronau allgnädigst zu verwilligen. – Sehr wahr ist das, was dieselben, um ihre Bitte zu begründen, anführen. Die Besoldung des Schullehrers zu Joßa ist äußerst gering, so daß er davon ohnmöglich leben kann, die Gemeinde aber, welche ihm diese Besoldung geben muß, zu arm, als daß sie solche verbessern könnte.    
     

So wünschenswerth, ja nothwendig nun auch diese Verbesserung der Schulbesoldung sowohl für den Schullehrer selbst, als für den besseren Unterricht der Kinder ist, so haben wir doch so wenig als die Gemeinde die Mittel dazu in Händen, Theils wegen des Unvermögens des Kirchenanrariums zu Neuengronau, von welchem Ort der Ort Joßa ein Filial ist, theils wegen der traurigen Lage, worin sich gegenwärtig die mildend Stiftungen befinden.

Nur auf die allerhöchste Gnade Ew. Königl[ichen] Hoheit kann daher die Gemeinde Joßa ihre Hoffnung auf ein künftiges beßeres Schicksal ihrer Schule gründen, und dieser allerhöchsten Gnade und Huld, wagen wir es das befragte Gesuch allerunterthänigst zu empfehlen, indem wir in allertiefster Ehrfurcht beharren
                                                Ew. Königlichen Hoheit! 
                                                 Unterschriften


Die Rentkammer in Hanau hatte ebenfalls eine Stellungnahme abzugeben. Ein Auszug aus ihrem Brief vom 10. Dez. 1816:

Das reiche Kloster Schlüchtern, dessen ursprüngliche Bestimmung es von jeher war, und noch sein sollte, die Schulen im hiesigen Fürstenthum in guten Stand zu bringen, und die dabei angestellten Lehrer anständig zu bezahlen, hat Mittel genug in Händen, die Schulstelle zu Joß zu verbessern. zumal .......


So kam es denn, dass die erbetene Zuzahlung für den Jossaer Lehrer vom Kloster Schlüchtern zu leisten war, da die Kurfürstliche Regierung der Empfehlung der Rentkammer in Hanau entsprach. Für den Lehrer und die Gemeinde Jossa wird es nicht so wichtig gewesen sein, von wem die Zuzahlung kam. Entscheidend war, dass sie realisiert wurde. Ein Jahr später schon wird man heilfroh gewesen sein, dass das Gesuch erfolgreich war, denn es kam wegen Missernten zu weit verbreiteter Hungersnot. 

 

 

1817


Hungersnot wegen Missernten, hervorgerufen durch ungünstiges Wetter
 
Es wird ein umfangreiches Kommissionsprotokoll erstellt für die Versorgung der bedürftigen Untertanen im Amt Schwarzenfels  und den Orten Altengronau und Jossa mit Kartoffeln und Brotfrucht. Es gibt Dokumente, welche genaue Bestandsaufnahmen von Nahrungsmitteln aller Haushaltungen enthalten.



1817

Es wird ein verbotswirdriger Holzverkauf aus dem Amt Schwarzenfels  ins Ausland  und die Flößerei auf der Jossa dokumentiert.



1820 

In der Kirchenchronik Neuengronau wird notiert, dass die Gemeinde Jossa wegen Überlassung eines fiskalischen Grundstückes zur Anlegung eines Friedhofes vorstellig geworden sei. Ohne Zustimmung der geistlichen Behörde war dies nicht möglich. Auch Pfarrer Buß wurde gehört. Da er lt. seinen schriftlichen Eingaben an den Konsistorialrat Heinemann in Hanau ohnehin die allerbeschwerlichste Pfarrstelle in der Provinz Hanau zu betreuen hatte, war an eine schnelle Realisierung nicht zu denken. Schließlich knüpfte er seine Zustimmung auch an finanzielle Bedingungen.

 

1821
Kurfürstentum Hessen 

1828

Die Kirchenchronik fährt fort: Die Sache Friedhof Jossa  wird 1828 ganz im Sinne des Pfarrers dahin entschieden, dass für den Fall, dass das Halten einer Leichenpredigt von Hinterbliebenen verlangt werden sollte, welches ihrem freien Willen überlassen bleibt, bei Erwachsenen 1 Gulden und 15 Kreuzer, bei Kindern 50 Kreuzer zu bezahlen seien. Nun konnte Jossa seinen Totenhof anlegen.  Ob Leichenpredigten ausgefallen sind, weil die Hinterbliebenen, das Geld hierfür nicht hatten, wird nicht berichet. Pfarrer Buß konnte von dem für die Jossaer auferlegten Erschwerniszuschlag jedoch nicht mehr viel profitieren. da er noch im gleichen Jahr nach Roßdorf versetzt wurde. Dort konnte er vermutlich auf seinen Wunsch wohl eine weniger beschwerliche Pfarrstelle antreten. 
    


1835 - 1900
 
Archiv 180 Schlüchtern Nr. 909, 26 Seiten ORDNER 2
Evangelische Schule zu Jossa, Inspektionsberichte

In vielen Jahrzehnten des Schulwesens in Jossa kommt es eigentlich zu keinen nennenswerten Feststellungen von Mängeln oder Beschwerden. Einige werden den heutigen Leser der Berichte eher erheitern. Der erste registrierte Inspektionsbericht wird hier festgehalten:

AUSZUG

aus dem Protokoll kurfürstlicher Regierung der Provinz Hanau
Hanau am 10 ten Septbr 1835.
Nr 1585 S.P.   
Der Schulinspector Kirchenrath Bode zu Mottgers erstattet den 5 l.M. seinen Visitationsbericht über die Schule zu Jossa.
Beschluß:       
Der Schulvorstand zu Jossa hat zu berichtigen welchem Grunde die Schülerzahl der dortigen Schule sich vermindert habe
2. Da die Schule im Betsaal gehalten wird, so wird weiter Bericht erwartet, ob auch für dessen Heitzung im Winter gehörig gesorgt ist.

Die Antwort des Schulvorstandes (Unterschriften Pfarrer Faber und Wachs) ist - zumindest was die Schülerzahlentwicklung angeht - schon interessant. 

 

      An
            Kurf. Regierung
                                               zu
                                                           Hanau.
                                  
                                   Gerade zur Zeit als, Behufs der genaueren Uebermittlung
                                   ihres seitherigen Besoldungsbezuges die Schullehrer ange-
                                   wiesen wurden, die Schülerzahl anzugeben, war dieselbe
                                   zu Jossa über den Durchschnitt angewachsen. Es ist bekannt,
                                   daß der Fortschritt der Population, sich nicht ganz gleich
                                   bleibt, einige Jahre ihm förderlich, andere durch ver-
                                   ringerte Production und vergrößerte Sterblichkeit
                                   ihm ungünstig sind. Nun gehörte das Schülerpersonal
                                   der obgenannten Zeit Jahren der ersteren, gehört das jetzige
                                   Jahren der letzteren Art an, und es ist also natürlich, daß
                                   die Zahl der aus der Schule Tretenden die der Einkommenden
                                   überwiegen und die Schule sich verkleinern müßte. Ue-
                                   brigens ist die jetzige Schülerzahl unter dem Durchschnitt-
                                   te, und es dürfte dieser auf 60 Schulkinder anzunehmen
                                   seyn.

                                   Was den 2 ten Gegenstand des geforderten Berichtes
                                   – die Heitzung des Schullocales – betrifft, so muß bemerkt
                                   werden, daß, alsbald nachdem der Betsaal auch zum
                                   Unterrichtslocal bestimmt war, derselbe mit einem
                                   Windofen versehen wurde. Es zeigte sich jedoch in dem
                                   strengen Winter 18 29/30 daß derselbe den Saal nicht
                                   hinreichend erwärme, weshalb auch einige Tage die
                                   Schule ausgesetzt werden mußte. Man hat daher den
                                   Ofen mit einem Circulierrohre versehen, und verse-
                                   hen, daß dies die Heitzung bedeutend erleichtert,
                                   jedoch, da inzwischen noch kein strenger Winter einge-
                                   treten ist, nicht die Erfahrung machen können, ob auch in
                                   einem solchen die Einrichtung ausreiche. Jeden Falles
                                   bedarf bei einer nicht sehr bedeutenden Schülerzahl
                                   und einem großen Locale, der Schullehrer zu Jossa eines
                                   bedeutenderen Holzquantums als andere Schulleh-
                                   rer hiesiger Gegend, und gerade er stehet ge-
                                   gen sie im Empfang von Holzbesoldung zurück,
                                   indem er nur 3 ½ Klafter bekommt.
                                               Da derselbe hiermit nicht ausreichen kann,
                                   so muß er noch Schreibholz nehmen und das in
                                   der erhöhrten Gewerbholztaxe bezahlen.
                                               Es wäre demselben ohnstritig eine Erhöhung
                                   seiner Holzbesoldung zu wünschen.

Schlüchtern, am 3 ten    Oktober 1835.
Neuengronau  „   3

                                                                                              Wachs.         

 

1835 - 1847

Archiv 49d Schlüchtern 138-142 ORDNER 2
umfangreiche Vermessungsarbeiten ermöglichen die Erstellung von Katastern und die Erfassung der Grundstücksflächen sowie die Art der Nutzung für steuerliche Zwecke. Dies wurde in den aufgeführten Archivbeständen ausführlich festgehalten. Es erfolgte außerdem eine Klassifizierung der Ländereien sowie der Wiesen und Gärten. Hier eine Beschreibung der Vorgehensweise wie sie uns auf sieben Originalseiten vorliegt:


1843


Übertragung  aus Originaldokumenten des Staatsarchivs Marburg ( 49 d Schlüchtern 140)
 
Hier erfahren wir auf sieben Seiten,  wie die Gutachter für die Regierung die Ländereien klassifiziert haben zum Zwecke der Erhebung von Steuern und Abgaben.
 
Es wurden in der Gemarkung Jossa 7 verschiedene Klassifizierungen für die Ländereien und 8 Klassifizierungen für Wiesen und Gärten ermittelt, was nur durch eine sehr genaue Betrachtungsweise möglich war. Die meisten niedergeschriebenen Flurnamen sind uns alle heute noch bekannt. Es sind Galgenberg, Mühlberg, Lerchenacker, im Gerroth, im Steinbachsgrund, Speckewiese, Joßwiese, Hofwiese, Waldschmidte und Wolfswiese.
 
Die Bezeichnung Reuterstein  und die Bezeichnung Hommelsgraben kennen wir nicht mehr. Die Ortsangabe Ölmühle war unschwer als die Schloamühle zu identifizieren.
Wir müssen noch ermitteln, wo Hommelsgraben und Reuterstein lagen
 
Als Schätzer fungierten der amtliche Steuer-Rektifikator namens Baur und drei Ortsschätzer und ein Sellvertreter.
 
Die Ortsschätzer waren  Peter Zeber, Johannes Schüßler, Heinrich Gärtner und ein Stellvertreter namens Georg Meier.
 
Mit der Karte in der Hand wurde darüber hinaus dem Bürgermeister Zeller noch einmal alles dargelegt und die Schätzungen begründet. Die Schätzungen fanden in der Zeit vom 24. bis 28. August 1843 statt.
 
Man gewinnt durch die notierten Schilderungen den Eindruck, dass man sehr genau schätzte, um niemandem zu schaden. 

 

1842 - 1846
 
Archiv 180 Schlüchtern 762, 21 Seiten     ORDNER  2
Reparaturen der Brücken zu Jossa
 
 
 
1843 - 1869
 
Archiv 180 Schlüchtern Nr. 51  ORDNER 2
Auf 30 Seiten werden Beschwerden wegen Behinderungen der Holzflößungen auf Jossa und Sinn niedergeschrieben und bearbeitet.

Wir haben einige Seiten der Dokumente, die in altdeutscher Schrift niedergeschrieben wurden, übertragen lassen. In den Niederschriften ging es in diesem Fall um das Flößen von ca. 90 Klaftern Holz von Georg Meier aus Jossa. 90 Klafter sind umgerechnet etwa 300 Raummeter. Der Förster Müller wollte dem Georg Meier das Flößen verwehren, weil er keine Erlaubnis eingeholt habe. Meier entgegnete, dass für das Flößen noch nie jemals eine Erlaubnis nötig gewesen sei, lediglich die betroffenen Müller seien zu verständigen und für die entgangenen Mahlvorgänge zu entschädigen. Das Flößen sei mit dem Ölmüller Johannes Fuß und dem Müller Johannes Müller abgesprochen worden. Der Förster Müller jedoch wollte das Flößen verhindern, indem er Wehrbäume in den Bach werfen ließ. Diese wurden dann wieder von Meier entfernt und er setzte das Flößen unterhalb der Barackenhöfe in Marjoß fort. Dieses Geschehen am 14. Sept. 1843 hatte jedoch ein Nachspiel und Georg Meier musste am 18. November 1943 vor dem Kurfürstlichen Kreisamt in Schlüchtern erscheinen und wurde dort vernommen.


Auch der Bürgermeister Cälber aus Marjoß und Bürgermeister Zeller aus Jossa mussten erscheinen und wurden zur Handhabung der Flößrechte befragt. Die Kurfürstliche Regierung der Provinz Hanau wird eingeschaltet und das Communical Kurfürstliche Ober-Forst-Collegium zu Cassel wird um Stellungnahme gebeten. Die Kurfürstliche Regierung der Provinz Hanau stellt jedenfalls fest, dass für das Flößen in früheren Zeiten keine Erlaubnisscheine erteilt worden sind und auch das Flößen in diesem Falle bei Zahlung der entsprechenden Entschädigungen (an die Müller) zu gestatten sei. Es heißt dann wörtlich: Was endlich die nach dem Berichte des Revierförsters Müller zu Altengronau gegen diesen von dem Georg Meyer sich erlaubte thätliche Widersetzlichkeit und gröbliche Beleidigung betreffe, so werde wegen dieses, nicht zur polizeigerichtlichen, sondern zur obergerichtlichen Aburtheilung sich eignenden Vergehens (V.O. vom 19. Nov. 1827. über die polizeigerichtliche Strafbefugniß §.4. Nr. 3.) die nöthige Untersuchung einzuleiten sein.
Einschränkend hatte man vorher schon bemerkt, "wenn der Förster Müller in seiner Zuständigkeit und in seinem Amtsbezirk gehandelt hat ...." Dies war jedoch nicht der Fall, weil sich die Geschehnisse im Marjosser Bezirk abspielten. 

Das Verfahren zieht sich viele Monate hin. Man stellt fest, dass die Bestimmungen über das Holzflößen zu wenig bekannt seien. Offensichtlich kommen die hoheitlichen Stellen dann überein, diese neu zu regeln und vorschriftsmäßig bekanntzumachen. Ob es zu einem Verfahren wegen "tätlicher Widersetzlichkeit und gröblicher Beleidigung" gegen den Jossaer Bürger Georg Meier gekommen ist, ist eher unwahrscheinlich, denn es geht aus den im Staatsarchiv registrierten Dokumenten nichts hervor. 

 

An anderer Stelle wird berichtet, dass sich auch die Wiesenbesitzer dem Flößen gerne widersetzten, wenn nicht entsprechende Barmittel geflossen waren, obwohl sie eigentlich keinen Rechtsanspruch auf eine Benutzungsgebühr hatten. Es wurde dann meistens mit dem Begriff Schadensersatz oder Entschädigung argumentiert. Ob in dem geschilderten Fall der eigentlich nicht zuständige Förster Meier von einem Wiesenbesitzer zu seinem Vorgehen animiert wurde, ist jedenfalls nicht geklärt worden.

In der Blütezeit des Holzflößens wurden in Marjoß jährlich ca. 1500 Klafter und in Jossa an der Mündung in die Sinn rund 6000 Klafter Holz in die Gewässer zum Flößen eingeworfen. Dies waren umgerechnet zusammen rund 25.000 Raummeter, eine beachtliche Menge. Durch Straßenausbauten und dann endgültig durch den Bau der Eisenbahn 1868 - 1872 rechnete sich das Holzflößen nicht mehr. Das Holz wurde mit Fuhrwerken zum Bahnhof gebracht und dort verladen.  

 

Auf den nächsten Seiten der Chronik ist eine Abhandlung aus dem Buch von

 

H. Puchert kopiert, die sich mit dem Holztriftern auf Jossa und Sinn befasst. Aus diesem Buch haben wir auch die Mengenangaben im vorhergehenden Absatz entnommen.  

 

 

 

1847
 
In Jossa wurde ein mehrgeschossiges großes Schulhaus fertiggestellt, da die Anzahl der Schüler sich stark erhöht hatte und das Schulhaus, das 1797 errichtet wurde, nicht mehr ausreichte.  Dieses freudige Ereignis fiel leider zusammen  mit einer Missernte, die eine schlimme Hungersnot auslöste.  

In dem stattlichen Haus gab es neben den Schulräumen noch einen Betsaal und Wohnungen. Standort: links der Jossa, im Küppelweg. In den Schulräumen wurden zeitweise täglich über 100 Kinder aus Jossa unterrichtet. Auf Bildern aus dem frühen 20. Jahrhundert in unserer Sammlung sieht man die vielen Kinder auf Gruppenfotos. 1913 schickten 550 Einwohner 127 Kinder zur Schule. Das Schulhaus war bis 1999 im Besitz der Gemeinde. Zuletzt wurde es als Bürgermeisteramt der noch selbständigen Gemeinde Jossa bis 1974 genutzt, ebenso als Schulungsraum für die Feuerwehr. Bis 1988 fanden noch Sprechstunden der Gemeindeverwaltung Sinntal in den Räumlichkeiten statt. Auch die Verstärkeranlage für die örtliche Rufanlage befand sich bis zum Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses im Jahre 1997 dort.

Dieses Foto von der alten Schule im Küppelweg während der Rückbauarbeiten lässt die Fachwerkbauweise gut erkennen. 

Da das Haus von der Gemeinde nicht mehr benötigt wurde, nagte der Zahn der Zeit immer schneller an der Gebäudesubstanz. 1998 wurde die alte Schule an den Grundstücksnachbar verkauft, der von dem Gebäude nur den Keller stehen ließ, da eine Sanierung wirtschaftlich nicht vertretbar war. 

Lehrer Schmidt, der ab August 1881 in Jossa für mehr als 43 Jahre die Lehrerstelle besetzte, schreibt in einem Bericht: 

Zur Zeit des Lehrer Stoppels wurde 1847 da hier das gegenwärtige, geräumige Schulhaus am linken Ufer der Jossa erbaut. Im Erdgeschoß liegen Ställe und Keller, im ersten Stock der Schulsaal, Küche und Speisekammer, eine große Wohn- und eine kleine Schlafstube. Im zweiten Stock lag der Betsaal, im welchen sonntäglich Lesegottesdienst abgehalten wurde, dahinter ein großes und zwei 

kleine Zimmer. Seit der Anstellung eines hiesigen zweiten Lehrers wurde der Betsaal 1909 zu einem erforderlichen zweiten Schulsaal und zur Wohnung für den Lehrer umgebaut, so dass also im ersten Stock der erste, im zweiten Stock der zweite Lehrer wohnt. Auch ein Turm mit zwei Glocken stand bis zum Bau unserer Kirche, 1909, auf dem Schulhaus. Mit seinem Nachbar, dem Forstläufer J. Zeller ging Stoppel oft auf die Jagd. Auch soll er öfters im Winter in seinem Garten Hasenschlingen gelegt haben, weil ihm diese geschätzten Bratentiere bei hohem Schnee an den Grünkohl gingen. Als ihm Nachbar Zeller gerade vor das Schulhaus einen Heu- und Strohschober erbaute, der heute noch die Aussicht versperrt, verklagte er diesen, leider wurde Stoppel mit seiner Klage abgewiesen. Im Alter von 72 Jahren (1869) starb da hier Stoppel, das ganze Dorf betrauerte seinen lieben alten Lehrer. Von 1870 -1876 wirkte Wilhelm Jordan als Nachfolger Stoppels auf der hiesigen Schulstelle.

Danach kamen einige Lehrer zu Kurzeinsätzen in Jossa, teilweise mussten auch Lehrer von der Schule in Altengronau einspringen. Lehrer Schmidt fährt fort:

Von meiner ersten Stelle Breunings aus, wo ich etwas über ¾ Jahre amtierte, wurde mir auf mein Meldungsgesuch vom 01. August 1881 die Schulstelle zu Jossa übertragen. Am 02. August zog ich nach hierher über. Ein Wagen holte meine wenigen Junggesellen Habseligkeiten ab. Als wir an dem Hohlweg, der seitwärts von Neuengronau nach AltengronauJossaer Straße abbiegt, ankamen, bot sich mir eine große Überraschung dar. Die Schüler Jossas kamen mir singend, in Sonntagskleider, Blumensträußen und Girlanden tragend, entgegen, um ihren neuen Lehrer abzuholen. Ich war über diesen nicht geahnten Empfang hocherfreut und innerlich bewegt, gab jedem Kind die Hand und fragte nach seinem Alter, Namen und dankte den Schülern für diese Aufmerksamkeit.

Bald langte der Wagen, den mir der hiesige stets gefällige Mühlenbesitzer und Holzhändler Friedrich Wilhelm Zeller zur Verfügung gestellt hatte, vor dem festlich geschmückten Schulhaus an, wo sich auch viele Erwachsene angesammelt hatten. Über der Tür hing ein Kranz, aus welchem mir die Worte: „Herzlich Willkommen!“ entgegenleuchteten. Manch schönes Lied wurde noch gesungen, die Möbel abgeladen, und der feierliche Einzug hatte sein Ende erreicht!

Damals ahnte ich nicht, dass es mir durch Gottes Güte beschieden sei, 43 Jahre in steter Gesundheit und zäher Berufsfreudigkeit Freud und Leid in diesem Haus zu verleben! Da gerade noch 8 Tage so genannte Ernteferien waren, konnte ich mir alles, was zum „Schulbetrieb“ erforderlich und nötig war, gemütlich und sorgfältig einrichten: Der Schulsaal, die Fenster und Türen wurden gründlich gereinigt, die Lehrmittel nachgelesen, Stundenpläne aufgestellt usw. Die Schule war eine Halbtagsschule, es fand, außer Mittwoch und Sonnabend, auch am Nachmittag Unterricht statt! Die Schülerzahl betrug 71, das jährliche Stelleneinkommen 850,-- Mark. An Lehrmittel war an der Schule außer einigen alten Büchern, 3 verstaubte Landkarten, 2 wackelige Schultafeln, einer Kugelrechenmaschine fast nichts vorhanden. Fast alle Bürgermeister der damaligen Zeit huldigten dem Grundsatz: „An der Schule muss gespart werden“. Das merkte man auch der Dienstwohnung, dem Klassenzimmer, den Heften usw.. selbst der Einfriedung des Gartens an. Am 09. August 1881 hielt ich zum ersten mal Schule in Jossa ab. Allgemein war es damals unter der geistlichen Schulaufsicht Sitte, dass der Lokalschulinspektor, der Pfarrer des Ortes, den Lehrer seinen Schülern vorstellte; doch war dies, da der zuständige Metropolitan Heußner, Neuengronau, alt und kränklich war, nicht möglich. Ich musste mich darum selbst meiner Schule vorstellen! Der genannte Herr, der sich durch große Gelehrsamkeit auszeichnete, hatte seine beiden Söhne bis zur Untersekunda des Gymnasiums vorbereitet, einer wurde später Direktor in Kassel, ein Lehrer vom ehemaligen Kaiser Wilhelm II., der andere ein tüchtiger Baumeister. Metropolitan Heußner zeichnete sich außerdem durch große Herzensgüte und Freundlichkeit aus. Nahezu 30 Jahre verwaltete er auch das Amt eines Kreisschulinspektors. In seiner, mit Geschick und Humor durchwürzten Weise, verstand er es, die Schüler zu unterrichten und zu prüfen, so dass es eine Lust war, mit zuzuhören! Poesie, Memnotechnik waren ihm hierbei willkommen, auch eine Lesemaschine hatte er erfunden. 

 

noch 1847

Hungersnot 

Lehrer Schmidt schreibt in einem Bericht hierzu: 

Im Hungerjahr 1847 fuhren arme hs. Familienväter mit ihren Schiebkarren von hier nach Gelnhausen, um für teures Geld ½ Zentner Brotmehl zu kaufen, das ohnehin schlecht und mit Gips vermischt war, es lieferte bläulich, schweres und daher ungesundes Brot. Es war hier allgemein üblich, das rare teure Mehl mit geriebenen Kartoffel, zermahlenen Bohnen, Wicken, selbst Holzrinden zu strecken, Brotgetreide in Obersinn und Hülsenfrüchte auf dem Kathreinmarkt in Steinau zu kaufen.

Missernten hatten zur damaligen Zeit immer schlimme Folgen für die Bevölkerung, da durch zu wenige Handels- und Verkehrsverbindungen ein Fehlmengen ausgleichender großräumiger Nahrungsmitteltransport nicht in dem erforderlichen Maße möglich war. Auch die politischen Voraussetzungen fehlten. Jeder sorgte natürlich auch zunächst für sich selbst. Reservedepots für Nahrungsmittel hatte weder der Handel noch der Staat eingerichtet. In schlechten Zeiten wurde vom Handel natürlich versucht, für die vorhandenen kleinen Reserven die höchstmöglichen Preise zu erzielen.  

Die Vielstaaterei im 19. Jahrhundert in Deutschland und Europa mit unterschiedlichen Interessen machte das Leben für die Bevölkerung in schlechten Erntejahren ganz schwer, fast unterträglich. Auswanderung - meist nach Amerika, später auch nach Australien und Südafrika - war in vielen Fällen die Folge von Hunger und Not.

Nach Beendigung der Zwangsbewirtschaftung nach der Währungsreform 1949 kennen wir in Deutschland solche schlimmen Zeiten nicht mehr. In der heutigen Zeit werden schlechte Ernten nötigenfalls durch Lieferungen zwischen den Kontinenten ausgeglichen. Unterentwickelte Länder erhalten seit mehreren Jahrzehnten im Bedarfsfall Hilfe durch die Vereinten Nationen und andere meist international tätige Hilfsorganisationen. Hier stellen leider auch heute noch unsichere politische Verhältnisse ein Hindernis für die Hilfslieferungen dar. Es ging schon immer den Menschen am schlechtesten, die unter Kriegs- oder Bürgerkriegsbedingungen leben mussten und müssen.

 

1869 - 1872

BESTAND 3 historische Fotos vom Brückenbau
  
Bau der Eisenbahnlinie Elm-Gemünden. In Jossa entsteht der Bahndamm und das große 32 m hohe Eisenbahnviadukt.  Beim Eisenbahnbau wurden sehr viele auswärtige und ausländische  aber auch einheimische Arbeitskräfte benötigt. In den Wohnungen im Jossaer Schulhaus werden leitende Beamte und Angestellte, die beim Bahnbau tätig sind, einquartiert. Der Eisenbahnbau eröffnet neue Märkte und fördert  im besonderen die gesamte heimische Forstwirtschaft.  Nach Fertigstellung der Bahn fanden zahlreiche Männer Arbeit bei der Deutschen Reichsbahn. In Jossa befand sich eine Drehscheibe. Hier waren u. a. Schiebeloks für die Steigungsstrecken nach Sterbfritz  und weiter nach Elm und den Distelrasen stationiert. Neben einem imposanten Bahnhofsgebäude aus Sandstein mit Diensträumen, Dienstwohnungen und einer Gaststätte entsteht noch ein Gebäude für die Reichspost, ebenfalls mit Wohnungen im Obergeschoß. Dieses Gebäude wurde ca. 1990 abgerissen, um Platz für einen Busparkplatz zu schaffen.

Bau des Eisenbahnviadukts in Jossa
Auf diesem Foto sind die Fundamente der drei Pfeiler und der beiden Widerlager zu sehen. An die Widerlager schloß sich dann der Eisenbahndamm an. Man sieht hinter der Baustelle die Sinn. Die Jossa läuft zu diesem Zeitpunkt noch am Böschungsfuß des Mühlbergs Richtung Sinn. Sie wird erst während des Dammbaus zwischen den Pfeilern der Brücke durchgeleitet.       

 

 

Diese Aufnahme stammt von September  1869 - übernommen ins Archiv 1871

 

In der Kirchenchronik von Neuengronau ist zum Eisenbahnbau folgendes vermerkt:

Anno 1868 begann man mit dem Bau der Bahnstrecke Elm - Gemünden, durch den eine Menge fremder Menschen aus aller Herren Länder in die Gegend gezogen wurden. Baumeister, Schachtmeister, Aufseher, Handwerker und Arbeiter mit und ohne Familie suchten Unterkommen in Altengronau und den umliegenden Ortschaften. In der Kriegszeit 70 / 71 wurden auch gefangene Franzosen zu den Arbeiten herangezogen. Es war unmöglich, die Leute alle in den Dörfern unterzubringen. Man sah sich daher genötigt, besondere Vorkehrungen zu treffen. So entstand am Pfaffensteg eine ganze Baracken-Kolonie, in der auch ein Wirtshaus nicht fehlte. 

Für die Franzosen wurde auf der Südseite der Straßenunterführung zwischen Neuengronau und Altengronau, ein Barackennlager hergerichtet. Alle diese Notbauten sind nach Fertigstellung der Bahn wieder spurlos verschwunden. An Unglücksfällen unter der Arbeiterschaft hat es in der Bauzeit nicht gefehlt, namentlich forderte die Ausführung der Eisenbahnbrücke bei Jossa ihre Opfer. Einige Arbeiter sollen dabei durch Absturz den Tod erlitten haben. Unseren Dorfleuten brachte die Zeit reichlich Verdienst, der Sittlichkeit schein sie nicht immer förderlich gewesen zu sein. Unter den  Fremdlingen war auch loses Volk, dessen Betragen keineswegs musterhaft war. Als die Franzosen gelegentlich einer Tanzbelustigung vergessen hatten, dass sie nicht in Frankreich sondern  in Deutschland waren, wurden sie dafür von den Altengronauern Burschen tüchtig verprügelt. 


1872  wird die neue Eisenbahn eingeweiht. 

 

1870 -1871
 
Im Deutsch-Französischen Krieg fallen zwei Jossaer Bürger 
 
 
1887 - 1891 
 
Archiv 180 Schlüchtern Nr. 909; 6 Seiten,   ORDNER 2
 
Bau der Lokalbahn von Jossa nach Bad Brückenau. Es werden auf  kurzem und unbürokratischem  Wege Arbeitskräfte für den Bahnbau gewonnen. Jossa gewinnt als Umsteigebahnhof an Bedeutung. 1908 wird die Bahn verlängert nach Wildflecken Ab 1938 wurde die Strecke intensiver genutzt, hauptsächlich wegen des dort eingerichteten Truppenübungsplatzes.  

Hier ein Auszug aus Wikipedia - Stand 19. Jan. 2014 - über die Nebenbahn von Jossa nach Brückenau und Wildflecken


Bau und Betrieb der Nebenbahn Jossa - Bad Brückenau - Wildflecken
  
Am 1. August 1864 reichte die Stadtverwaltung von Brückenau eine Petition an die Regierung von Unterfranken über den Bau einer Bahnverbindung von Brückenau nach Jossa in Hessen ein. Doch erst am 18. November 1884 erhielten die Pläne mit der Gründung eines Eisenbahn-Komitee in Brückenau wieder Auftrieb. Die Baugenehmigung für die Strecke wurde am 8. März 1888 erteilt, so dass die Bauarbeiten am 1. Juli 1890 beginnen konnten. Eröffnet wurde die Strecke am 9. Oktober 1891, die Bedienung der Unterwegshalte erfolgte ab 15. Oktober 1891.
 
Über eine Verlängerung der Strecke nach Wildflecken wurde ab 1902 nachgedacht, wofür der bayerische Landtag am 17. Juni 1904 die Genehmigung erteilte. Die Bauarbeiten dafür begannen am 1. Oktober 1907 und konnten mit der Eröffnung der Strecke am 17. Dezember 1908 abgeschlossen werden. Die Aufnahmen des fahrplanmäßigen Verkehrs erfolgte zwei Tage später am 19. Dezember 1908. Eine Weiterführung der Strecke mit Anschluss an die Bahnstrecke Bad Neustadt - Bischofsheim in Bischofsheim an der Rhön wurde durch den Ersten Weltkrieg verhindert und danach nicht mehr weiterverfolgt.
 
Am 8. Oktober 1922 wurden die Haltepunkte Trübenbrunn, Eckarts, Wernarz, Sinnthalhof und Brückenau Ost aufgelöst, wovon Brückenau Ost am 1. Januar 1925 und Eckarts am 27. Februar 1927 wieder in Betrieb genommen werden. Über die Strecke erfolgte ab 1937 für den Bau der Reichsautobahn Fulda–Würzburg und des Truppenübungsplatzes Wildflecken größtenteils die Anlieferung des Baumaterials. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke durch Fliegerangriffe in Mitleidenschaft gezogen und am 3. April 1945 durch die Sprengung der Jossaer Eisenbahnbrücke vom restlichen Eisenbahnnetz abgetrennt. Der Inselverkehr konnte am 27. Oktober 1951 mit der Eröffnung der wiederaufgebauten Jossa-Brücke aufgegeben werden.

 

Niedergang

Der Niedergang der Strecke begann in den 1960er Jahren: neben der Umstellung des Wochenendverkehrs auf den Bahnbus wurden nach und nach alle Güterverkehrsstellen entlang der Strecke aufgelöst. Die Einstellung des Personenverkehrs erfolgte zum 27. Mai 1988, der Güterverkehr wurde noch bis zum 4. Februar 2002 aufrechterhalten. Demzufolge hatte DB Netz die Strecke bereits 2001 zur Übernahme durch andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen  ausgeschrieben, wobei nur die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) Interesse zeigte.Nach jahrelangen Verhandlungen votierten die meisten Kommunen entlang der Strecke schließlich für deren Umwidmung in einen Radweg, so dass keine Unterstützung für eine Wiederaufnahme des Schienenverkehrs mehr existierte und sich die DRE zurückzog.

Bis zur endgültigen Stilllegung der Gesamtstrecke durch das Eisenbahnbundesamt am 31. März 2005 fanden immer wieder Sonderfahrten von Eisenbahnvereinen statt. Schließlich stellte DB Netz Ende 2009 den Antrag zum Abbau der Strecke.
 
 
Reaktivierungsbemühungen
 
Am 16. März 2012 wurde in einer gemeinsamen Pressemitteilung der regionalen Pro Bahn-, VCD- und Bund Naturschutz-Gruppen die Gründung der Interessengemeinschaft Sinntalbahn-Kreuzbergbahn verkündet. Diese hat das Ziel gemeinsam mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) die Strecke zu übernehmen und zu reaktivieren. Als Vorbild dient die ebenfalls von der RSE zusammen mit dem lokalen Partner Ilztalbahn GmbH  2011 reaktivierte Bahnstrecke Passau–Freyung in Niederbayern. Wie an dieser Strecke soll Bahn- und Radverkehr miteinander kombiniert werden. Aufgrund dieser Aktivitäten ist das Entwidmungsverfahren vorerst gestoppt worden.Die Gemeinde Sinntal ist allerdings weiterhin an der Entwidmung interessiert, um die Strecke in einen Radweg mit Anbindung nach Zeitlof und Jossa umwandeln zu können.


 

1891 - 1905

Archiv 18 Schlüchtern A 405, 4 Seiten  ORDNER 2
Bahnbau nach Bad Brückenau
Einrichtung einer Haltestelle in Altengronau
 

1893 - 1895
 
"Kirchenstreik". Die Jossaer gingen nicht mehr nach Altengronau , sondern nach Neuengronau, Marjoß und nach Mittelsinn zur Kirche. Grund ist der Wunsch der Jossaer, eine eigene Kirche in Jossa zu bauen. Altengronau will ebenfalls eine neue Kirche bauen, an deren Kosten sich die Jossaer beteiligen sollen, was aber den Verzicht auf eine eigene Kirche zur Folge gehabt hätte. Im Sommer fand auf Antrag der Jossaer im Betsaal im großen Schulgebäude Sonntagnachmittags Gottesdienst statt.

 

 

1895

Am 15. Febr. 1895 wird die Gründung des "Kirchspiel Neuengronauer Darlehenskassenverein e.G.m.u.H." im Saale des Gastwirts Ziegler (Neuengronau) beschlossen. Dieser Verein kann als Vorgänger der späteren Raiffeisengenossenschaft betrachtet werden. Aus Jossa war der Schmied Nilolaus Beyer in den Vorstand gewählt worden. Lehrer Schmidt war im Aufsichtsrat tätig.


1897
 
Jossa wird dem Kirchspiel Marjoß als Filialgemeinde zugeordnet (bisher Neuengronau).
Diese Neuordnung entspricht dem Wunsch der Jossaer, einmal  über eine eigene Kirche zu verfügen, was beim Verbleib im Kirchspiel Neuengronau schwierig gewesen wäre, weil auch Altengronau eine neue Kirche brauchte, wohin die Jossaer bisher zur Kirche gingen. 

 

 

Auf dieser Postkartengrafik war die Kirche noch nicht zu sehen. Die Postkarte wurde am 5. Mai 1910  vom Postamt Jossa nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr abgestempelt. - Grüße von einem "Unbekannten" 

1909
 
Bau der Kirche in Jossa. Die Gemeinde mit dem rührigen Bürgermeister Konrad Zeller muss die Bauherrschaft und den größten Kostenanteil übernehmen. Mit Hife einer Zuweisung durch die kaiserliche Regierung, den kirchlichen Finanzmitteln und zweckgebundenen Darlehen konnte das Vorhaben in Angriff genommen werden.  Hauptunternehmer war die Firma Möller aus Elm, die das Gebäude in 7 Monaten Bauzeit errichtete. Sie erfuhr nach einer Schilderung des Lehrers Schmidt  große Hilfe und Unterstüzung durch die Bevölkerung. Am 15. Okt. 1909 stand die Kirche fix und fertig da. Man ließ das Gebäude aber über den Winter noch gut austrocknen. 

 

 

1910

 
Am 6. März 1910 wird die Kirche eingeweiht.  -  
Ein großer Festtag für das Dorf

So entfielen nun die langen Kirchwege nach Neuengronau, Marjoß oder nach Mittelsinn.
In die Kirche nach Altengronau ging man nach dem Kirchenstreik 1893-95 kaum noch, da diese an Festtagen zu klein war und man auf eine eigene Kirche hinwirken wollte. Man ging über das "Kirchenpfädchen" (über die Hohe Leite) nach Neuengronau. Die jüngeren Leute gingen gerne in die evangelische Kirche nach Mittelsinn, wohl auch um etwas unter sich zu sein - so wird berichtet. 

 

 

Bericht zur Grundsteinlegung 1909 und Einweihung der neuen Kirche in Jossa am 6. März 1910

verfasst von Lehrer i.R. Wolfgang Schmidt 1910

Kirchengemeinde Jossa

Pfarrer Carl Frankenberg war Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Julius Bode. Pfarrer Frankenberg kam aus Enkheim bei Bergen und übernahm die Stelle und das neue Pfarrhaus am 27. Juni 1907. Pfarrer Bode verstarb am 24. Dezember 1906 und konnte das kurz zuvor erbaute neue Pfarrhaus in Marjoß nicht mehr beziehen. Während der Amtszeit von Carl Frankenberg wurde – im Frühjahr 1909 – in Jossa mit dem Bau der neuen Kirche begonnen, da die Gemeinde bei über 120 Schülern einen zweiten Lehrer bekam und somit den Betsaal im Schulgebäude für den Unterricht benötigte.

Anmerkung zum Betsaal

Im Jahr 1847 wurde in Jossa, das sich nach Einwohnerzahl sehr vergrößert hatte, ein zweistöckiges, geräumiges Schulhaus erbaut. Im oberen Stock lag der sogenannte Betsaal. Jeden Sonntag-Vormittag wurde darin Betstunde (Lektorendienst) abgehalten, wobei der Lehrer vorzulesen und zu singen bzw. den Choralgesang zu leiten hatte. Nachmittags ging die Gemeinde in den Pfarrgottesdienst nach Altengronau. Um den Gottesdienst bzw. den Choralgesang feierlicher zu gestalten, schaffte die Kirchen-gemeinde Jossa, auf Rat von Lehrer Wolfgang Schmidt, ein gutes Harmonium an. Nach etlichen Jahren auch zwei Glocken, die im Türmchen auf dem Schulhaus Platz fanden. Die Opferwilligkeit der Einwohner, die mit zeitlichen Gütern nicht gesegnet waren, verdient anerkennend hervorgehoben zu werden.

Kirchen-Standort

Inmitten des Dorfes links der Marjosser Strasse, am Nordhang des Lerchenackers, 37 Treppenstufen führen zu ihr hinauf Anmerkung von Lehrer Schmidt: Die Lage konnte nicht schöner ausgesucht werden. Ihre Bauart ist dem Dorfstil angepasst. Wie eine Königing auf erhabenem Sitz thront sie von grüner Bergeshöhe Über den niederen Häusern des Dorfes zu ihren Füßen, diese gleichsam schützend und bewachend.

Grundsteinlegung am 2. Mai 1909

Im Frühjahr 1909 wurde mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Am 2. Mai 1909 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt. Landrat Valentiner und Superintendent Orth, Schlüchtern waren erschienen. Superintendent Orth Orth predigte über den Text Johannes 12, 20 – 26, die vollständig erschienene Gemeinde sang : „Großer Gott, wir loben dich“. Es folgte die Verlesung der Grundsteins-Urkunde durch den Ortspfarrer Carl Frankenberg und die üblichen Hammerschlägen unter Aufsagen eines passenden Bibelspruchs. Die Urkunde und je eins der in damaliger Zeit umlaufenden Münzstücke vom 5-Mark-Stück aus Silber bis zum 1-Pfennig-Stück aus Kupfer, in Summe 11,68 Mark kamen in eine viereckige Blechkapsel, die sofort verlötet wurde, hierauf senkte man diese in den Grundstein, links des Haupteingangs in die südliche Ecke ein. Unter Gebet und Gesang schloss die erhebende Feier.

Einweihung

Am 15. Okt. 1909 stand die Kirche fix und fertig da. Trotz des nassen Sommers war der Kirchenbau rasch vorwärts gegangen, zumal der Bauunternehmer Möller aus Elm genügend Arbeiter zur Hand hatte, auch die Einwohner von Jossa waren willig und bereit, an dieser wichtigen Sache mitzuhelfen und dem Baupersonal Hilfe und Erleichterung zu gewähren. Man zog es aber vor, das Gebäude vorerst noch nicht zu benutzen, erst sollte es den Winter über gehörig austrocknen, im nächsten Frühjahr dann eingeweiht und dem Gebrauch übergeben werden. Endlich war der

                                          Tag der Einweihung am 6. März 1910,

der größte Fest- und Ehrentag, den das Dorf Jossa je gesehen hatte, gekommen. Hell und freundlich strahlte die Frühlingssonne in den Straßen des festlich geschmückten Dörfchens. Hunderte von Gästen waren aus Nah und Fern gekommen. Als Vertreter des Konsistoriums war Freiherr von Schenk zu Schweinsberg, von Schlüchtern Landrat Valentiner und Superintendent Orth erschienen. Superintendent Orth hatte die Aufgabe, die neue Kirche einzuweihen, da General-Superintendent Pfeiffer, Cassel, verhindert war.

Vom Schulhaus aus stellte sich gegen 14 Uhr der Festzug zur neuen Kirche auf. Mit dem Lied „Unsern Ausgang segne Gott“ verabschiedete man sich vom alten Betsaal. Den Zug eröffneten die drei genannten Herren, gefolgt von Ortspfarrer Carl Frankenberg und den Geistlichen der Umgegend. Der hiesige Kirchenvorstand trug die heiligen Gefäße. Dann folgte die Bauleitung, der Gemeindevorstand, Schüler mit den Lehrern und die übrigen Festgäste. Unterwegs sang man „Lobet den Herren“ und vor dem Kirchenportal „Tut mir auf die schöne Pforte“, wobei der Baumeister dem Superintendent den Schlüssel überreichte, der dann die Kirche aufschloss. Leider entstand jetzt ein Hasten, Vorwärtsdrängen und Stoßen, - denn jeder glaubte , er würde keinen Platz finden, - viele mussten sich allerdings mit Stehplätzen in den Gängen und draußen vor den geöffneten Türen begnügen.

Superintendent Orth hielt die Weihrede, Ortspfarrer Carl Frankenberg die eigentliche Festpredigt über Jesu Einkehr bei Zachäus. Lieder des Marjosser Gesang-Vereins und des Steinauer Jungfrauen-Vereins, sowie der Jossaer Schüler umrahmten die erhebende Feier.

Nach beendigtem Festgottesdienst pflanzte der Bürgermeister Konrad Zeller, der sich mit allen Kräften dem Kirchenbau angenommen hatte und nicht rastete und ruhte bis das schwere Werk vollendet war, vor dem neuen Gotteshaus eine Linde.

Danach fand bei einer Tasse Kafee im alten Müller’schen Saal eine gemütliche Nachfeier statt, wobei Gesang, heitere und ernste Reden miteinander abwechselten.

Die Kirche ist geräumig, heizbar, besitzt 200 Sitzplätze, eine gute, von Herrn Ratzmann, Gelnhausen erbaute Orgel.

Stiftung zur Einweihung

 

Eine wertvolle Bibel mit eigenhändigem Widmungsspruch von der Kaiserin Geschenke zur Einweihung Eine Kanzel-Bibel und einen silbernen Abendmahlsteller von der Muttergemeinde Marjoß Eine Liederanstecktafel von der Kirchengemeinde Steinau Einen Klingelbeutel von der Frau des Ortspfarrers Carl Frankenberg Zwei Opferbecken von den Eltern des Ortspfarrers Carl Frankenberg Eine Kanzelkleidung von Familie Ullrich (Restaurateur im Bahnhof) Ein Abendmahlstuch und 50 Mark von Lehrer i.R. Wolfgang Schmidt „So hatte denn ein großes gutes Werk, das dauernd der Ehre des Allerhöchsten dienen soll, an dem sich Willigkeit und Opferfreudigkeit von Hoch und Niedrig in schöner Weise zeigte, einen ruhmvollen Abschluss gefunden“ *** 

 

Anmerkung der Herausgeber:

Aus den Kirchenbüchern ist zu entnehmen, dass die Finanzierung des Bauvorhabens sehr schwierig war. Weder die Kirchengemeinde noch die politische Gemeinde verfügten über ausreichende Mittel. Schließlich kam zur Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von 28.000 Mark folgende Lösung zustande:

10.000 Mark Gnadengeschenk seiner Majestät des Kaisers und König

11.000 Mark Beitrag der politischen Gemeinde Jossa

  2.000 Mark Beitrag der Kirchengemeinde (dieses Geld wurde aufgenommen zu 4 %)

    750 Mark Landeskirchenkasse

  1.250 Mark angesammelter Baufonds und freiwillige Gaben

  1.300 Mark einmalige Kirchenkollekte im Konsistorialbezirk Kassel

  1.700 Mark waren demnach noch nicht finanziert

 

Bauher der Kirche war die politische Gemeinde

 

 

Diese Lithografie-Postkarte von 1910 wurde vom Verlag August Wegemer, Bad Brückenau vertrieben. Im Gegensatz zur Vorgänger-Karte sieht man als Einzelgrafik die neue Kirche (in der Totalansicht wurde sie vielleicht versehentlich oder aus Kostengründen nicht nachträglich ergänzt). Weiterhin sieht man die ebenfalls zur gleichen Zeit entstandene "Wirtschaft und Metzgerei von Heinrich Müller", jetzt Landgasthof Joßgrund. Der Erbauer dieses Gebäudes (Großvater von Waldemar Zeller) war übrigens der Sohn des Besitzers des Gasthauses Stern, Wilhelm Müller. Das Gasthaus Stern wurde später von Christian Müller betrieben.

 

 

1912
 
In Jossa wird in diesem Jahr die erste gemeindeeigene Wasserleitung fertiggestellt.
Das Wasser kommt aus der Emersbachquelle (Gemarkung Altengronau) - nicht weit vom jetzigen Naturbad Altengronau.  Es erreicht im freien Gefälle den Hochbehälter am Mühlberg.  Von dort wird es in die Ortslage verteilt. 

Einer detaillierten Aufstellung aus diesem Jahr kann man entnehmen, dass die vorhandenen 75 Wohngrundstücke alle einen Hausanschluss bekommen haben.  Es wurden folgende Leitungen und Teile verlegt und eingebaut:

LEITUNGSNETZ

zusammen mit der Gemeinde Altengronau
1.727.40 m Gußrohr   70 mm

Gemeinde Jossa allein
2.637,70 m Gußrohr   70 mm
1.909,40 m Gußrohr   80 mm
     59,00 m Gußrohr 150 mm 

19 Unterflurhydranten
11 Schieber 70 mm mit Einbaugarnitur
  9 Schieber 80 mm mit Einbaugarnitur
  3 Schieber 70 mm mit Handrad
  3 Luftventile mit Absperrschieber

für die Hausanschlüsse

    75 gußeiserne Privatabstellschieber
    76 Kellerventile
    23 m Mannesmannrohre 1 "
1137 m Mannesmannrohr 3/4 " 
und verschiedenes Zubehör

Eine am 12. Sept 1912 erstellte detaillerte Kostenzusammenstellung weist die Summe von 
13.701,09 Reichsmark aus. Dies waren die Gesamtkosten des Leitungsnetzes mit Hausanschlüssen.
Kosten für den Hochbehälter sind nicht separat ausgewiesen. Die Kostenzusammenstellung des Unternehmers Ernst Ehrig wurde am 28. Okt. 1912 in Cassel durch einen Regierungsbeauftragten
geprüft. Am 26. November wurde die bestätigte Summe von der Gemeinde ausgezahlt.  

Der Bahnhof mit den großen Befüllungsrohren für die Wasserkessel der Dampflokomotiven wird aus einer Quelle am Fuße des Mühlbergs gespeist (Möllersch Brönn'). Von dort lief das Wasser in eine Pumpstation nicht weit vom Bahndamm, direkt unterhalb der Böschung der Bahnhofstraße, Ortsausgang Obersinn. Der Hochbehälter lag oberhalb des Steinbruchs im Wald. Die Wasserleitungen führten weiter zur Lokomotivbefüllung am Bahnhof,  zu allen Gebäuden am Bahnhof und zu den bahneigenen Häuser unterhalb der Landstraße.

 

Die Eisenbahn, die Wasserleitung und andere technische Errungenschaften erleichterten auch das Leben auf dem Land.  Alles hätte so gut werden können. Doch die politische Entwicklung war verheerend. Die europäischen Länder rüsteten militärisch auf und setzten dabei teils auf die neuen technischen Möglichkeiten. Einige hatten reiche Kolonien, andere mussten sich mit dem begnügen, was die ersten Kolonialherren übrig gelassen hatten. Die Rivalität zwischen den Ländern schlug sich fast täglich in den Zeitungen der damaligen Zeit in propagandistischen Artikeln nieder. Die Völker wurden im wahrsten Sinne des Wortes gegeneinander aufgewiegelt. Die besonnenen Politiker der damaligen Zeit hatten keine Chance. 

Am 28. Juni 1914 wurden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg bei ihrem Besuch in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der serbisch-nationalistischen Bewegung Mlada Bosna, ermordet. Das Attentat in der bosnischen Hauptstadt löste die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führte.

Es wurde kein auf Europa begrenzter Krieg. Es wurde ein Weltkrieg.

 

1914 - 1918   Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg hat den Weg in die Moderne beschleunigt und er war die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts von Krieg, Gewalt und Vertreibungen. Er war eine weltweite Katastrophe, die etwa 17 Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben gekostet hat, große Teile Europas zerstörte und ungelöste Probleme hinterließ, die weitere gewaltsame Konflikte nach sich zogen, nicht zuletzt den Zweiten Weltkrieg mit seinen monströsen Gewalttaten.

Ohne den Ersten Weltkrieg sind das 20. Jahrhundert, der Aufstieg von Faschismus und Kommunismus sowie der Übergang zur Systemkonkurrenz  zwischen West und Ost nicht zu verstehen.

Deutschland gehörte zu den Verlierern des Krieges. Der Kaiser dankte ab. Gebietsverluste, kaum leistbare Kriegsreparationen, hohe Arbeitslosigkeit und mangelnde Toleranz zwischen den politischen Parteien lassen  - wenn auch zunächst langsam - politisch eine Saat heranreifen, die später erneut zum Verhängnis wird.

Deutsche Soldaten mit Gasmasken an einem schweren FlaMG

 

Deutsche Soldaten im Gasangriff 

 

 

Im 1. Weltkrieg starben 14 Bürger aus Jossa  als Soldaten, einer wurde seit 19.07.1916 vermisst. Die Namen dieser 15 Männer stehen auf einer Gedenktafel, die im Vorraum hinter dem Kircheneingang an der Wand auf der linken Seite hängt.

Mit dem 1.Weltkrieg endet das Kaiserreich - Deutschland wird Republik

Auszug aus Wikipedia

 
Als Weimarer Republik wird der Abschnitt der deutschen Geschichte von 1918 bis 1933 bezeichnet, in dem erstmals eine parlamentarische Demokratie in Deutschland bestand. Diese Epoche begann mit der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 und endete mit der Ernennung Adolf Hitler zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

 
Die Weimarer Republik entstand im Zuge der Novemberrevolution. Ihren Namen erhielt die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik nach der thüringischen Stadt Weimar, dem ersten Tagungsort der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung.
 
Am 10. Januar 1920 trat der Friedensvertrag von Versailles in Kraft, der in den Artikeln 45 bis 50 nebst Anlage die Abtrennung des Saargebiets vom Deutschen Reich zur Wiedergutmachung der französischen Kriegsschäden und dessen Verwaltung als Mandatsgebiet des Völkerbundsregelte. Manchmal werden diese Bestimmungen als „erstes Saarstatut“ bezeichnet.
 
Es sprach für 15 Jahre Frankreich die Eigentumsrechte an den saarländischen Kohlengruben und an den Eisenbahnen westlich der Saar, des Saarbecken-Gebiets, zu. In dieser Zeit verwaltete eine vom Völkerbund eingesetzte Regierungskommission das Gebiet. 1922 wurde mit dem sogenannten Landesrat eine politische Mitbestimmung der Saarländer geschaffen – eine demokratisch gewählte parlamentarische Vertretung fast ohne Befugnis.

Nach der Feststellung unzureichender deutscher Kohlelieferungen durch die Reparationskommission marschierten am 11. Januar 1923 französische und belgische Truppen ins Rheinland ein. Gegen die Ruhrbesetzung wurde in Abstimmung mit der Reichsregierung vor Ort von deutscher Seite der passive Widerstand organisiert, wobei das Reich ohne produktiven Gegenwert sämtliche Ausfallkosten für die Unternehmen des besetzten Gebietes und deren Beschäftigte übernahm. Während auch die französische Seite bei der Besetzung eher draufzahlte als davon profitierte, entwickelte sich die deutsche Finanznot bis zum Sommer 1923 zunehmend dramatisch. Die Finanzierung des Ruhrkampfes und die Kompensation der dadurch bedingten Produktionsausfälle und Steuereinnahmenverluste allein durch Vermehrung des Banknotenumlaufs führten zu einer dramatisch beschleunigten Inflation, in der schließlich das Geld, das man in Form der Papiermark besaß, binnen eines Tages mehr als die Hälfte an Kaufkraft verlor. Angesichts der damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen bröckelte der Ruhrwiderstand, kam es mit der Rheinischen Republik zu einer wenn auch nur kurzzeitig erfolgreichen Abspaltungsbewegung und radikalisierten sich Teile der Lohnarbeiterschaft.

In Sachsen und Thüringen führte das zu kommunistischer Regierungsbeteiligung unter sozialdemokratischen Ministerpräsidenten. Im Reichstag hatten die Sozialdemokraten der Regierung Cuno unterdessen die Tolerierung versagt und waren in eine Große Koalition unter dem DVP-Kanzler Gustav Stresemann eingetreten. Der beendete am 23. September 1923 den Ruhrwiderstand, um für die geplante und dringend nötige Währungsreform im Oktober / November 1923 einen Erfolg zu ermöglichen. Zum Umstellungsdatum am 15. November 1923 (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark bei 4,20 Rentenmark für den Dollar) war der Staat inflationsbedingt praktisch schuldenfrei, hauptsächlich auf Kosten seiner sparfreudigen Bürger. Zu den Inflationsgewinnern gehörten Sachwertbesitzer und diejenigen, die selbst hohe Schulden aufgenommen hatten: Sie konnten ihre Kredite mit entwertetem Geld bequem zurückzahlen.

 

 

1920

Gründung des Männerchores Jossa

In der Vereinschronik ist vermerkt:

„Schon die erste Versammlung ließ darauf schließen, dass der Verein ins Leben gerufen werden konnte. (…) Nachdem wir uns des Beitritts einer Anzahl reiferer Männer gewiß waren, schritt Herr Lehrer Merz zur Gründung des Vereins. Der 19. September, an dem eine Versammlung anberaumt war, gilt als der Gründungstag des

                                                   „Männergesangverein zu Jossa“.“

Es werden 39 aktive und 9 passive Gründungsmitglieder sowie 16 neue Mitglieder namentlich aufgeführt, so dass der Verein anfangs aus 64 Mitgliedern besteht. Zum 1. Vorsitzenden wird Herr Konrad Meyer, gebürtig aus Mittelsinn, gewählt. Herr Lehrer Merz wird zum Dirigenten bestellt, Vereinslokal wird das Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ des Mitglieds Christian Müller.

Der noch junge Chor erarbeitet sich in seiner „Begeisterung für das deutsche Lied“, wie es damals immer wieder heißt, mit zwei Chorproben pro Woche in den Winterhalbjahren ein grundlegendes Repertoire. Er tritt damit bei all den öffentlichen, aber auch vereinsinternen Anlässen auf, wie wir das seit Jahrzehnten kennen.

Schon bald nimmt der Chor regelmäßig und mit großem Ernst an den Wertungssingen auf Kreisebene teil und ist stolz auf die meist guten bis sehr guten Beurteilungen. Einmal, 1928 in Altengronau, wird er am besten von allen Chören bewertet. Auf dem Heimweg wird er schon ab dem Ortseingang von der Jossaer Kapelle „unter frohen Weisen“ zum Vereinslokal geleitet, wo der Wirt „aus Freude und Stolz … ein Fass Bier aufstellte“.

Die Mitgliederzahl pendelt sich im Laufe der Zeit bei etwa 75 ein (davon ca. 50 Aktive) und bleibt bis zum Kriegsbeginn konstant. 

 

Ein Hinweis: 

Wir haben Kurzchroniken von den Jossaer Vereinen bekommen, die im letzten Drittel der Dorfgeschichte als Anhänge zu finden sind. 

 

1923 

Nach Einführung der Rentenmark am 15. Nov. 1923 trat eine leichte Verbesserung und Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse ein.  

 

 

 

 

1922 od. 1923

Die Konfirmanden 1922 oder 1923 mit Pfarrer Otto (vordere Reihe der Herr links. Rechts der Herr ist evtl. der Lehrer. In der Mitte die Dame?  In der hinteren Reihe Zweiter von links: evtl. Konrad Zeller, Vater von Jürgen Zeller, ebenfalls hintere Reihe Vierter von rechts Heinrich Zeller (Heinerjes Heiner) WER KENNT MEHR?

Auf der Konfirmandenliste 1923 standen folgende Namen:

Anna Weigand, Else Beyer, Elisabeth Ziegler, Katharina Zeller, Elise Kratzenberger, Marie Zeller geb. 18.02.1909,

Anna Müller, Katharina Ruppert, Marie Zeller geb. 22. April 1909, Selma Zeller, Margarethe Zeller, Anna Zeller, Mina Zeller

Demnach würden auf dem Foto zwei Konfirmandinnen fehlen

Johann Fuss, Karl Zeber, Wilhelm Nickel, Johann Ruppert, Johann Heinbuch, Heinrich Müller, Heinrich Ruppert,

Johann Zeller, Heinrich Zeller, Johann Zeller, Johann Buchhold

Auf dem Bild ist auch Pfarrer Otto zu sehen (der Mann links mit dunklem Anzug), der die folgende Druckschrift „Das Jossatal“ erstellt hat. 

Lehrer Wolfgang Schmidt hat in dem gleichen Heft einen Aufsatz zur Geschichte der Schule in Jossa mit einigen allgemeinen Einblicken in die Dorfgeschichte veröffentlicht. Leider sind die Kopien nicht ganz so gut.  

1928

Jossa wird an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen.  Bis dahin war ein langer Weg.
Die meisten Einwohner der Gemeinde wünschten sich diese Erleichterung natürlich. Aber es fehlte am Geld, um den Baukostenzuschuss an den Stromversorger zahlen zu können. Wir konnten freundlicherweise die betreffenden Akten bei der "Rhön-Energie GmbH" einsehen und einige Schriftstücke kopieren bzw. fotografieren. 

Das hat sich hat sich zerschlagen. Man musste noch vier Jahre auf den Stromanschluss warten. Es war noch ein beschwerlicher Weg. 

Die Gemeinde Jossa schaltete auch die Kreisverwaltung ein, die sowohl  den Anschluß von Altengronau forcieren sollte und den Anschluß des Bahnhofs Jossa auf dem Verhandlungswege als kostenreduzierende Möglichkeit in ein Gesamtpaket einfließen lassen sollte. 

Altengronau hatte am 10. August 1927 beschlossen, mit dem Stromversorger die nötige Vereinbarung zu treffen. Kurz darauf, entschieden sich auch die Jossaer Gemeindeväter, den Stromanschluß durch die Übernahme des Baukostenzuschusses zu ermöglichen. Es handelte sich lt. Vertrag um 5.000,-- Reichsmark. Ein günstiges Darlehen der Kreissparkasse Schlüchtern ermöglichte die Kostenübernahme. Außerdem musste die Gemeinde Jossa zusammen mit der Reichsbahn die Transformatorenstation schlüsselfertig erstellen. Auch das Aufstellen der erforderlichen Holzmasten ab Transformatorenstation Altengronau und für das Ortsnetz Jossa mußte die Gemeinde übernehmen. Die Maste wurden vom Stromlieferant gestellt. Auch die Transportleistungen für die Erstellung der Fernleitung und des Ortsnetzes musste die Gemeinde übernehmen.  

Der Jossaer Bürgermeister zögerte wohl noch etwas mit der Unterschrift- vielleicht hoffte er noch auf eine Vergünstigung, evtl. durch die Reichsbahn - wie auch immer. Er unterschrieb letztendlich den Vertrag und es wurde Licht - nicht wie versprochen Ende Januar 1928, aber am 14. März 1928 wurde die Straßenbeleuchtung mit 5 Lampen und das Ortsnetz mit den installierten 85 Hausanschlüssen in Betrieb genommen. Bürgermeister Zeller hatte noch einmal in einem Brief an das Überlandwerk darauf hingewiesen, dass die Leute die teuren Leitungen bezahlt hätten und jeden Tag danach fragen würden, wann nun endlich das Licht brennen würde.

Die Installation von elektrischem Licht muss eine enorme Verbesserung und Erleichterung für die Einwohner gewesen sein. Vorher gab es als Beleuchtung Holzspäne, Kerzen und bestensfalls Petroleumlampen. Der Ausdruck "Späbrenner" rührt vermutlich aus dieser Zeit. Das waren wohl die Bürger, die sich keine Kerzen oder Petroleumlampen leisten konnten. Der Einsatz von Elektromotoren oder elektrisch betriebenen Geräten war nun ebenfalls möglich und erschloß in vielen Bereichen völlig neue Möglichkeiten. Für alle Elektrogeräte musste damals noch ein Antrag gestellt werden, da die Leitungen verständlicherweise noch nicht so stark ausgelegt waren. Hier die Kopie einer Stromabrechnung vom November 1933. Für 20 KW Verbrauch mussten einschließlich Pauschale 3,75 Reichsmark bezahlt werden. Das war für die damaligen Verhältnisse nicht wenig - zumal der Börsenkrach 1929 eine lang anhaltende Weltwirtschaftskrise auslöste und es für ganz viele Familien finanziell sehr schwierig wurde. Als Beschreibung der Verhältnisse hatte sich der Satz als zutreffend
herausgestellt: "Zum Leben zu wenig - zum Sterben zu viel." 

1929
 

9. November

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Jossa

Für den 9. November 1929 wurden die Mitglieder der Jossaer Pflichtfeuerwehr und alle Freunde der Feuerwehrsache zu einer Versammlung in die Gastwirtschaft Christian Müller eingeladen.  34 Männer aus Jossa haben nach Unterschriftsleistung  ins Protokollbuch damals die Freiwillige Feuerwehr Jossa ins Leben gerufen.

Nun galt es, die bis dahin dürftige Ausrüstung der Feuerwehr zu verbessern und zu vervollständigen, es galt eine finanzielle Grundlage zu schaffen, mit der diese Ausrüstung beschafft werden konnte. Der politischen Gemeinde standen in diese Zeit nicht die Geldmittel zur Verfügung, die notwendig gewesen wären, die Brandschützer mit Geräten auszurüsten, die dem damaligen Standard entsprachen.

Mit dem Abhalten sogenannter „Tanzvergnügen“ und mit zusätzlichen Haussammlungen wurden Gelder beschafft, um die Feuerwehrkameraden mit dem Notwendigsten auszurüsten. 

 

Wer an den Chroniken unserer Vereine interessiert ist, kann diese  über den folgenden Link aufrufen. 

Sie können sich die Vereinsgeschichten in Kurzform ansehen.

Der Männer- und Gemischte Chor,

die Freiwillige Feuerwehr  

und die Sportgemeinschaft  Jossa

haben uns entsprechende Berichte mit Fotos zur Verfügung gestellt. 

>> Link zu den Vereinschroniken <<

 

 

 

1930

Der 1920 gegründete Männerchor stellt sich zum 10-jährigen Bestehen zu einem Erinnerungsfoto vor dem Jossaer Wahrzeichen, der Eisenbahnbrücke.

 

Ein wahrhaft stattlicher Chor.

 

1933

"Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten, Hitler wird Reichskanzler
 
Entmachtung des Parlaments.
Errichtung einer Dikatatur unter dem nationalsozialistischen Führer Adolf Hitler. 
Politische Gegner werden schon bald nicht mehr geduldet. Die Menschenrechte und die Weimarer Verfassung sind faktisch außer kraft gesetzt. Eigentumsrechte werden ebenfalls mißachtet. Die Schutztruppen der Nazis SA und SS und die Gestapo (Geheime Staatspolizei) gehen radikal gegen alle Bürger vor, die den Nazis nicht genehm sind. Sie führen konsequent die Befehle ihrer Führer zur Durchsetzung der menschenverachtenden Ziele des Regimes aus. Juden werden enteignet, verfolgt und in Konzentrationslager verbracht. Heute wissen wir, dass mehr als sechs Millionen Menschen umgebracht wurden.  Auch in den Orten des Kirchspiels Marjoß gibt es Repressalien gegenüber andersdenkenden Bürgern. Pfarrer Bock berichtet hierüber (siehe Kirchenchronik Jossa):

 

Bericht von Pfarrer Bock (Kriegschronik) 

 

 

Auf diesem Foto sieht man das Sägewerk von Paul Turban, das auf dem Gelände errichtet war, wo heute die Turnhalle, das Feuerwehrhaus und die Schule stehen. Im Betriebshof sieht man Paul Turban (ganz links im Bild)  mit einigen Mitarbeitern.  Das Sägewerk brannte in den 30iger Jahren ab. Paul Turban hat dann nach dem Krieg Dampfmaschinen restauriert und viele davon nach Übersee exportiert. Bilder von diesem Betrieb am Bahnhof Jossa sind in die Rubrik Fotos von 1945 bis 1960 eingeordnet.

 

 

Einführung eines Reichsarbeitsdienstes.

 

Dieses Foto entstand ca.1935 beim Bau des "Neuen Planes" (Verlängerung der oberen Waldstraße Richtung Zirkel) Diese Maßnahme wurde durch den Einsatz der "Reichsarbeitsdienstkräfte"  in Verbindung mit den Forstbediensteten verwirklicht. Von den Jossaer Männern auf dem Foto wären wohl vermutlich alle, die nicht über den Reichsarbeitsdienst in Beschäftigung gekommen sind, arbeitslos gewesen.    

Es beginnen Kriegsvorbereitungen durch das Hitlerregime, auch der Bau der Reichsautobahn soll vorwiegend militärischen Zwecken dienen. Brückenbauwerke sind noch zu sehen bei Rupboden und im Wald, Nähe Burgsinn, an der Höhenstraße von Roßbach nach Gräfendorf. 

Auszug aus "Geschichte der Sinntalbahn" auf der Webseite der IG Sinntalbahn 


Materialanlieferung für die Großprojekte "Reichsautobahn" und "Truppenlager Wildflecken
1937 wurde mit dem Bau der "Reichsautobahn Fulda (Eckarts) - Würzburg" begonnen. Der Bahnhof Rupboden an der Nebenstrecke Jossa-Wildflecken lag nahe der Baustelle, daher wurde er als zentraler Anlieferungsbahnhof für das Baumaterial der zahlreichen Unterführungsbauwerke sowie der vorgesehenen Fahrbahn aus Beton ausgebaut. Ein anderes Großprojekt war der Bau des "Truppenlagers und des Truppenübungsplatzes Wildflecken" ab 1938. Auch hier wurde das Baumaterial zum überwiegenden Teil mit der Bahn herbeigeschafft. Der Bahnhof Jossa gewann hierdurch an Bedeutung


 

Durch diese und andere auf Schulden basierende Zwangsbeschäftigung und Wirtschaftsbelebung wird die Arbeitslosigkeit erheblich reduziert. Dies wird von den Menschen positiv wahrgenommen, da sie die Kriegspläne Hitlers nicht kennen. 

Wehrmachtsfahrzeuge auf dem späteren Schulgelände geparkt, ca. 1937

Wehrmachtssoldaten angetreten neben den geparkten Fahrzeugen auf dem späteren Schulgelände, ca. 1937

 

 

1939 - 1945
 
Hitler befiehlt den Angriff auf Polen. Der 2. Weltkrieg beginnt. Einmarsch in Holland, Belgien und Frankreich. Später befiehlt der Diktator auch noch den Angriff auf Rußland unter Mißachtung der kurz zuvor vereinbarten Verträge.

55 Soldaten aus Jossa fallen in diesem Krieg bzw. gelten als vermisst und kehren nicht mehr heim. Weltweit wird die Zahl der durch unmittelbar durch Kriegseinwirkung getöter Menschen auf 50 bis 56 Millionen Menschen geschätzt. 

Der für das Kirchspiel Marjoß zuständige Pfarrer Bock berichet unter dem Titel "In den Fängen der Gestapo" über sein Verhör am 18.11.1942 bei der GeStaPo in Kassel:
 
Der Beamte hat mich nicht zu Protokoll vernommen, sondern hat eine Besprechung mit mir über die Vorgänge in der Kirchengemeinde gehabt.
 
Ich bestätigte, dass ich am 24.09.1942 in Marjoß von einem Beamten verhört wurde und dass am Schluss noch ein zweiter Beamter kam und das Protokoll mit dem Zeugen O. fertig stellte.
 
Der vernehmende Beamte bezeichnete die Zusammenkünfte der „Frauenhilfe“ und deren Unterstützung bei der Arbeit der Diakonisse als Konkurrenz zur „Frauenschaft“.
 
Die Gründung des Posaunenchors ist angezeigt worden und die Notwendigkeit gegen mich einzuschreiten.
 
Längst begrabene Dinge aus 1935 wurden wieder in den Vordergrund gebracht. So sagte ich, dass ich mich entschieden dagegen wehre, dass durch meine Tätigkeit Schwierigkeiten im Dorf entständen.
 
Dem Landeskirchenamt gegenüber darf ich es aussprechen, dass für meine Gegner hier im Ort, die sämtlich aus der Kirche ausgetreten sind, nicht eher Ruhe ist, bis die anderen Volksgenossen ihrem Beispiel gefolgt sind. Ich weiß sehr wohl, dass ihr Wunsch nicht ist: wir müssen einen anderen Pfarrer haben, sondern wir brauchen gar keinen Pfarrer. Deshalb bin ich, trotz aller Anfeindung, auf meinem Posten geblieben und weil ich die Spessartbewohner in ihrem schweren Leben lieben lernte. Mein Weggang hier würde neue Verärgerungen und Unwilligkeiten in der Bevölkerung auslösen. Jedoch sind solche Erwägungen nach meinen letzten Erlebnissen hier nicht mehr verpflichtend genug. Die Nachstellungen werden immer schlimmer. Ich will nicht in der augenblicklichen Notlage der Landeskirche um eine Versetzung bitten, aber sobald einmal Ersatz für die Versehung der hiesigen beiden Kirchspiele (Anmerkung: Marjoß und Neuengronau) zur Verfügung ist, möchte ich um die Übertragung einer anderen Pfarrstelle bitten.
 
(Aus dem Schreiben von Pfarrer Kurt Bock am 20.11.1942 an das Landeskirchenamt in Kassel )



1942

Es entsteht der heute noch genutzte Friedhof oberhalb der Straße "Am Plan"

 

 

 

 

1944

Die neue Schule, jetzt Spessartstr. 4, wurde 1944 fertiggestellt und bezogen. 

 

1945

Durch die Kriegseinwirkungen liegt Deutschland in Schutt und Asche


In den letzten Kriegswochen wird die Jossaer Eisenbahnbrücke durch Angehörige der deutschen Wehrmacht gesprengt. Es wird dazu wie folgt berichtet:

Als sich am 04.April 1945 die Ankunft der Amerikaner ankündigte, sprengten deutsche Pioniere zuerst die Jossa-Brücke im Dorf und anschließend den vierbogigen Eisenbahnviadukt der Strecke Fulda-Gemünden. Ein Bogen fiel auf die Landstraße und wirkte zugleich als Straßensperre. Kurze Zeit danach trafen amerikanische Panzerspitzen in Jossa ein und erhielten vom Mühlberg aus Feuer. In dem sich daraus entwickelnden Gefecht fielen zwei deutsche Soldaten und wurden später auf dem Jossaer Friedhof bestattet.

Während die US-Kampfverbände die Sperre umgingen und gleich nach Altengronau weiter vorstießen, richtete eine Nachhut im Ort eine Gefangenensammelstelle ein. Die Einwohner versorgten oft gegen den Willen der Wachmannschaften ihre Landsleute mit Brot und Getränken. Wegen Einsturzgefahr sprengten dann amerikanische Pioniere einen Pfeiler des Eisenbahnviaduktes. Die herabstürzenden Gesteinsmassen stauten das Wasser im Bett der Jossa, so dass im Dorf eine Überschwemmung entstand. Schon am 27. Mai 1945 war die für den Nord-Süd-Verkehr äußerst wichtige Brücke wieder behelfsmäßig instand gesetzt worden, und ein Schild „With the help of God and a little luck this bridge was built by the USA“ kündet von den Erbauern.